Notfalls ein Quick-Damm

In Zukunft sollen nicht nur Sandsäcke das überlaufende Wasser zurückhalten

Gäbe es das Bundesverdienstkreuz für Gegenstände, müsste als nächstes wohl der Sandsack geehrt werden. Zu Dämmen gestapelt, trotzen die in Handarbeit abgefüllten Beutel den Fluten. Erstaunlich, dass ein schlichter, mit Sand gefüllter Sack im 21. Jahrhundert das wichtigste Werkzeug gegen das Hochwasser zu sein scheint. Abgesehen von den Deichen: Hügel aus Lehm, Sand und Erde mit einer Oberschicht Gras. Einfacher geht es nicht. Fällt dem Menschen nach Jahrhunderten der Fluten, Deichbrüche und Überschwemmungen nichts Besseres ein? Ist der technische Fortschritt am Hochwasserschutz vorbeigegangen?

Die Fernsehbilder von massenhaft hingewuchteten Sandsäcken täuschen über physikalische Ideen und technologische Kreativität hinweg. Hochwasserschützer wollen Fluten in Zukunft mit High Tech in den Griff bekommen: mit klappbaren Bürgersteigen, mobilen Dämmen oder wasserdichten Häusern. Da in jedem Fall eine auch mit dem höchsten und besten Damm ausgestattete Stadt die Flut in das nächste weniger gut gerüstete Dorf stürzen lässt, hilft gegen Hochwasser letztlich nur die Vernunft. Dörfer und Städte am selben Fluss müssen sich einigen, wie sie die Last der Flut verteilen wollen.

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Die Brücken bewegen

Dennoch sind technische Überlegungen zum Schutz nahe liegend. Ingenieure und Mathematiker haben in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle entwickelt, von denen einige bereits in die Realität umgesetzt wurden. Ist eine Brücke beim letzten Hochwasser davongespült worden, baut man sie wieder auf - dieses Mal aber beweglich, wie in der Schweizer Kleinstadt Brig geschehen. Dort überspannt jetzt eine Hebebrücke die Saltina. Droht bei der nächsten großen Flut Geröll und Wasser die Brücke einzureißen, wird die Fahrbahn mechanisch über Seilwinden und Gewichte einige Meter angehoben.

Ebenfalls schweizerischen Plänen entstammen Bürgersteige, die sich hochklappen lassen. Sie sollen an Uferpromenaden verlegt werden. Bevor die Flut kommt, werden die ein bis zwei Meter breiten Gehwege in die Senkrechte gedreht. Theoretisch ließe sich auf diese Weise ein Fluss sogar zehn Meter hoch aufstauen, doch derart hohe Barrieren sind zu riskant: Sollten sie an einer Stelle aus der Verankerung reißen, würde das Wasser mit noch größerer Wucht in die Straßen rauschen.

Der Klappsteig wird in der Schweiz bereits genutzt. In Locarno schützt er ein Altersheim gegen Überschwemmungen

in Deutschland lässt die baden-württembergische Stadt Sinsheim derzeit 55 Meter Klappweg als Teil eines Damms um den Segelflughafen bauen. Normalerweise ist dieser Damm flach gelegt, bei einer Flut schützt er die Flugzeuge vor dem Wasser. Die Start- und Landebahn dient dann als Überflutungsbecken (Polder) für den kleinen Fluss Elsenz. Der große Durchbruch blieb der Klapptechnik bislang verwehrt.

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