Rot!
Ferrari auf Marskurs
Die Europäische Weltraumorganisation Esa startet meistens nicht gerade von der Pole-Position. Wenn vom All die Rede ist, denkt jeder zuerst an die Konkurrenz von der Nasa. Eine neue PR-Strategie der Europäer soll das nun ändern. "Von Siegern lernen" lautet die Parole. Und wenn es um Tempo und Technik geht, gibt es kaum einen überzeugenderen Lehrmeister als den Rennstall von Ferrari.
Daher soll Europas nächste Rakete zum Roten Planeten ein zwei Zentimeter großes Glaskügelchen im Gepäck führen, gefüllt mit flüssigem roten Ferrari-Lack. Die Farbe wird gerade "strengen Prüfungen unterzogen", um ihre Raumfahrttauglichkeit zu testen. Im September soll sie feierlich in den Mars-Express eingebaut werden.
Die wissenschaftlichen Missionen der Esa seien dem durchschnittlichen Steuerzahler oft nicht zu vermitteln, klagt der "Ferrari/Mars-Express-Koordinator". Der schnellste Lack der Welt, der nur als Symbol mitfliegt, soll Menschen begeistern, die sonst nicht für Wissenschaft und Weltall zu haben sind: Ferraristi, Autofreaks, Techniker. Ferrari zahlt keinen Cent für die Aktion, die Esa kostet sie auch nichts. "Es ist eine Win-win-Situation", sagt der Esa-Mann. Schon feiert man in der Pariser Zentrale den ersten Sieg: Die Esa wurde in einer Autozeitschrift erwähnt.
Das Mitleid der Leser dürfte den Raumfahrern gewiss sein. Ein Kügelchen mit ein paar Tropfen Autolack, das ist wie drei Fuchshaare an der Antenne. Warum nicht die ganze Rakete rot lackieren, liebe Esa? Und dann als Pin-up in den Playboy.
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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