"Schröder handelt vernünftig"

die zeit: Die nächste Stufe der Steuerreform hinauszuschieben sichert zwar finanziell den Wiederaufbau Ost. Blockiert dieser Schritt aber nicht den Aufschwung West?

Ernst Welteke: Nein. Die Verschiebung einer Stufe um ein Jahr wird die wirtschaftliche Entwicklung nicht nachhaltig verschlechtern. Der zunächst eintretende Produktionsausfall ist nicht endgültig. Sobald die Schäden behoben sind, ist mit Nachholeffekten zu rechnen. Durch die gesamte Steuerreform der Regierungskoalition wird eine im historischen Vergleich sehr niedrige Steuerquote erreicht. Die Verschiebung ist vernünftig und gegenüber Steuererhöhungen das kleinere Übel. Die Lasten werden gerecht verteilt.

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zeit: Die Steuersenkung zu Beginn des nächsten Jahres hätte die labile Konjunktur stützen können.

Welteke: So tragisch es klingt: Die Beseitigung der Vermögensschäden in den betroffenen Ländern wirkt wie ein kleines Konjunkturprogramm.

zeit: Es sind Alternativen debattiert worden - vom einmaligen Notopfer aller Bürger bis zu höheren Staatsschulden.

Welteke: Ohne zusätzliche Belastung der Bevölkerung, wie ein Hinausschieben der Steuersenkung, sind die Schäden nicht zu beseitigen. Eine Aufstockung der Nettokreditaufnahme des Staates wäre wegen des europäischen Stabilitätspaktes nicht vertretbar gewesen.

zeit: Die im Pakt vorgeschriebene Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts darf in einem solchen Notfall überschritten werden.

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