Schuften für sechs Dollar

Wer sich in den USA billig verdingt, ist noch gut dran: In der Krise verlieren die Armen als Erste ihre Arbeit - und bekommen kaum Geld vom Staat

Den Mondini-Schuhladen in der West 8th Street kann man durch die eleganten Glastüren betreten, um sich neue Stiefel zu kaufen, zum Beispiel das Modell mit dem hellblauen Schlangenmuster für 249 Dollar. Die West 8th Street in Manhattan zählt zu den Einkaufsparadiesen für ausgefallene Modestücke. Man kann aber auch gleich vor dem Eingang kräftig auf das Bodenblech im Bürgersteig stampfen, dreimal hintereinander. Dann klappt das Blech in der Mitte auseinander, José steckt seinen Kopf heraus und winkt Besucher die Treppe herab.

Es ist ein kleiner, tunnelförmiger Raum unter den Straßen von Greenwich Village

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man muss sich bücken, von den Rohren an der Decke tropft Kondenswasser. Fünf Männer in roten Overalls haben sich in die Ecken verteilt und blicken misstrauisch von ihren mitgebrachten Mahlzeiten auf. Mittagspause für die Straßenfeger im Village, Störungen sind nicht willkommen. Es ist eine hart arbeitende Truppe. Da ist Jack, 35, der vor fünf Jahren aus dem Senegal einreiste, jetzt um die neun Stunden pro Tag arbeitet und damit versucht, sich selbst und daheim eine Großfamilie durchzufüttern. Da ist der stille Hector, der sich schon seit drei Jahren keinen freien Tag genommen hat - das scheint zu stimmen, sie nicken jetzt alle im Tunnel. Manuel aus der Dominikanischen Republik schiebt Schichten von neun, zehn und manchmal zwölf Stunden am Tag. Zögerlich lässt er sich entlocken, dass er hofft, auf diese Weise endlich seine Kreditkartenrechnungen abzubezahlen.

Mülleimer ausleeren und verwehte Zeitungen jagen, Coladosen aus den Sträuchern klauben, Erbrochenes vor den Eingängen der Geschäfte aufwischen - im Schnitt bekommen sie dafür 6,50 Dollar pro Stunde. Streiken? Für höhere Löhne kämpfen? Ach was - nicht einmal ihre richtigen Namen wollen sie in der Zeitung sehen. "Was wollen Sie", sagt José, "man muss billig sein, wenn man in diesen Zeiten einen Job haben will."

Armut trotz Arbeit

Da hat er Recht. Die Straßenfeger von Greenwich Village können froh sein, dass sie überhaupt noch arbeiten dürfen. Für Leute wie sie - fast alle Einwanderer, die sich mit Billigjobs durchschlagen - sah es am amerikanischen Arbeitsmarkt schon lange nicht mehr so schlecht aus. Auf den ersten Blick ist die Arbeitslosenquote in den USA trotz Wirtschaftsflaute nicht dramatisch.

Insgesamt liegt sie bei mäßigen 5,9 Prozent, im besonders hart getroffenen New York ist sie nur um 2 Prozentpunkte höher. Doch die Statistik zeigt nicht das ganze Bild: Die Zahl der oft unfreiwilligen Teilzeitarbeiter hat seit März 2001 um 1 Million zugelegt, 1,5 Millionen Amerikaner haben es gänzlich aufgegeben, sich auf dem Arbeitsmarkt umzusehen. Außerdem verzeichnen schwarze und hispanische Immigranten deutlich höhere Arbeitslosenquoten - 9,9 beziehungsweise 7,6 Prozent. Das spiegelt vor allem das Schicksal der Billigarbeiter wider. In der Einwandererstadt New York zum Beispiel wurden zwei Drittel der Niedriglöhner außerhalb der USA geboren.

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