Soll uns das egal sein?
Ulrich Greiner: "Vermögenswerte", ZEIT Nr. 33
Offenbar stößt schon der Begriff Humankapital bei Ihnen auf Widerspruch, obwohl er seit den sechziger Jahren zum Vokabular der Wirtschaftswissenschaft gehört. Möglicherweise sind es gerade jene, die allergisch sind gegen den Begriff Humankapital, die den Menschen und seine Bildung nicht als Ganzes sehen. Sie blenden die wirtschaftliche Dimension der Bildung regelmäßig aus.
Natürlich wäre es Unsinn, keine Germanisten oder Juristen auszubilden.
Schließlich werden für das Studium beider erhebliche Steuergelder eingesetzt.
In Deutschland sind 5,7 Prozent aller Germanisten arbeitslos, aber nur 3,0 Prozent aller Juristen. Außerdem haben Juristen im Schnitt ein um dreieinhalb Jahre längeres Erwerbsleben als Germanisten. Bildungsentscheidungen sind Entscheidungen mit langfristigen Folgen.
Was für individuelle Entscheidungen richtig ist, das gilt auch für die gesamte Volkswirtschaft. Wie hoch das Wachstum nächstes Jahr sein wird, bestimmt die Konjunktur. Wie hoch es in 20 Jahren sein wird, das bestimmt nicht unwesentlich der Bildungsstand beziehungsweise das Humankapital. Soll uns das egal sein? So gesehen, passt die Rentendebatte eben auch mit der Bildungsdebatte zusammen. Genau dieses langfristige Denken, an dem es in Deutschland fehlt, im Wahljahr ohnehin, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.
Philipp Schuller Frankfurt a. Main Vorstand Deutschland Denken!
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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