Sprengstoff in der Wüste
In Qatar und Bahrain regt sich Protest gegen Amerika
Die Emire, Scheichs und Könige am Persischen Golf gelten als beste Freunde der USA. Ihre Länder gehören zum Aufmarschgebiet der amerikanischen Armee gegen den Irak. Auf Anraten des Westens führen die Herrscher allmählich Meinungsfreiheit ein. Das Volk genießt seine neuen Rechte, demonstriert und fordert: Amerikaner raus!
Doha.
Die Sonne steht senkrecht. Gut 40 Grad, und die Luft flimmert über der Wüste.
Eine kleine Herde Kamele trottet über die Straße. Frieden. Qatar ist ein gemütliches Land, fast schon träge. Man regt sich selten auf. Doch hier, in der kargen Ebene, nur eine halbe Autostunde außerhalb der Hauptstadt Doha, liegt etwas, das diese Ruhe stört. Sprengstoff. Hinter Stacheldraht und Wachtürmen wölben sich Bunker über dem steinigen Boden. Gewaltige Heckflossen von Transportmaschinen ragen aus Hangars. Es ist der Al-Udaid-Luftwaffenstützpunkt, das größte amerikanische Waffenlager am Persischen Golf. 15 000 Fuß soll die Startbahn lang sein, doch die kann man nur ahnen, dort hinten, wo die Luft vor lauter Flimmern schon Blasen schlägt.
Ein Militärjeep nähert sich, inspiziert die Neugierigen, grüßt und fährt weiter. Nur keine Aufregung.
Der Emir von Qatar hatte Mitte der neunziger Jahre mit dem Bau des Stützpunktes begonnen. Eigentlich für seine eigene Luftwaffe. Doch er ließ die Hangars und Bunker großzügig planen, hoffte er doch, die Amerikaner ins Land zu locken. Und die Amerikaner kommen. Sie wollen - so sieht es aus - sogar ihr Hauptquartier vom Prince-Sultan-Stützpunkt in Saudi-Arabien hierher verlegen, denn dort gibt es Probleme. Das saudische Königshaus gerät zunehmend unter Druck. Die Bevölkerung rebelliert gegen die amerikanische Militärpräsenz. Es wird für die saudische Regierung schwer, den amerikanischen Halbfreunden zu erlauben, ihr Land als Basis für einen möglichen Angriff gegen den Irak zu nutzen. Anders in Qatar. Hier sind die Amerikaner willkommen, und die Gastgeber stellen keine Bedingungen. An die 4000 Soldaten sollen bereits in al-Udaid eingetroffen sein. Auch Deutsche sind dabei, ist von gut informierter Seite zu erfahren. High-Tech und Computer sind bereits auf dem Weg. In den kommenden Monaten werden bis zu 14 000 Männer und Frauen hier in der Wüste erwartet.
Iranische Cola, pelzig im Mund.
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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