Unser aller Schaden

Tod und vernichtete Existenzen: Das ganze Land hilft dem Osten. Doch für einen neuen Aufschwung müsste die Solidarität viel weiter gehen

Heidenau bei Dresden - nie gehört? Seit dem Höhepunkt der Elbeflut geistert der Name des Städtchens durch die Gazetten - als Beispiel für Solidarität.

Über tausend obdachlose Menschen leben derzeit in einem Wal-Mart-Supermarkt.

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Sie kampieren dort zwischen Regalen mit Waschmitteln und Dosengemüse, im Warenlager und auf dem Parkplatz, werden am Imbissstand kostenlos versorgt und können sich aus den Getränkekisten bedienen. "Wie kann ich Ihnen helfen?"

heißt der Wahlspruch der amerikanischen Einzelhandelskette.

"Solidarität": Das Wort bekommt dieser Tage wieder Inhalt, auch finanziell.

Viel Geld ist für die Opfer der Katastrophe in Ostdeutschland in kürzester Zeit zusammengekommen: Nicht nur je eine Million Euro von Michael Schumacher und einem Hotelier aus Gran Canaria, nicht nur je fünf Millionen Euro von Siemens und der Deutschen Bank - Tausende Zuschauer einer ARD-Fernsehgala spendeten mehr als 20 Millionen Euro.

Das ist schön, aber nicht genug: Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe reichen all diese Zeichen von Gemeinsinn unter Deutschen nicht hinten und nicht vorne. Schon vergangene Woche verkündete Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Es geht um Milliarden, die mobilisiert werden müssen, und ich bin entschlossen, das zu tun." Anfang der Woche wurde er präzise: Zusätzlich zu einer sofortigen Haushaltssperre wird die für 2003 vorgesehene zweite Stufe der Steuerreform um ein Jahr verschoben. Bund, Länder und Gemeinden gewinnen auf diese Weise an die sieben Milliarden Euro - und die Bürger verlieren sie.

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