"Vergessen Sie Johannesburg!"

Die nationalen Regierungen stolpern schlecht vorbereitet auf den Weltgipfel in Südafrika: Ein ZEIT-Gespräch mit Harvard-Professor John Ruggie

die zeit: Herr Ruggie, inzwischen müssen amerikanische Konzernchefs mit einem Schwur bezeugen, dass sie sauber arbeiten. Die Krise hat Ihr Land schwer mitgenommen.

John Ruggie: Die Exzesse in den USA waren möglich, weil Gesetze bewusst ausgehöhlt wurden. Der Wirtschaft fehlen klare Regeln, also fühlen sich die Manager unter Druck, die rechtlichen Lücken auszunutzen. Kapitalismus basiert nun mal auf Eigeninteresse und Habgier. Er funktioniert aber nur, wenn diese Motive kontrolliert werden.

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zeit: Warum versagte die Kontrolle?

Ruggie: Wegen des missionarischen Eifers, mit dem Ronald Reagan und seine Jünger Gesetze annullierten. Schauen Sie sich nur das Verhältnis zwischen Börsenanalysten und Investmentbankern an: Auf einmal gab es keine Grenze mehr zwischen den beiden Seiten. Der bekannte Analyst Jack Grubman, den Salomon Smith Barney gerade mit einer Riesenabfindung hinausgeworfen hat, fasst das so zusammen: "Was einst als Interessenkonflikt galt, nenne man heute schlicht Synergieeffekt."

zeit: Reagiert die Regierung nun richtig?

Ruggie: Auf Druck der Bürger hat sie einiges verändert. Aber es bleiben viele Probleme - beispielsweise schlagen sich die Aktienoptionen für Manager nicht als Ausgaben in den Bilanzen nieder und laden damit die Chefetage zum Missbrauch ein. Sogar die Konzerne, etwa Coca-Cola, wollen das inzwischen geändert sehen.

zeit: Glauben Sie trotzdem noch an das amerikanische Wirtschaftssystem?

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