Wetter, Klima, Katastrophe
Die Brücken in Regensburg, Dresden, Bamberg und Erfurt sind zerstört, die Ernte ist vernichtet, eine gewaltige Hungersnot bricht aus, Bittbriefe werden verfasst, und durch Kollekten versucht man, die allgemeine Not zu lindern.
Wir schreiben das Jahr 1342, und in Deutschland wütet ein "Jahrtausendhochwasser", dessen Schilderung fatal an die aktuellen Berichte aus Dresden oder Grimma erinnert. Dass solche Ereignisse sich mit dem Stichwort Treibhauseffekt kaum hinreichend erklären lassen, belegt Rüdiger Glaser in seiner vorzüglichen Klimageschichte Mitteleuropas (Primus Verlag, Darmstadt 2001
227 S., 39,90 e, ab September 2002 neu lieferbar), in der er "1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen" nachzeichnet. Dort findet sich auch eine frühe Erklärung für die "Sündfluth": Sie sei, so wurde von den Kirchenkanzeln herab verbreitet, die "Zornrute Gottes" gegen die menschlichen Verfehlungen. Wer sich mit dieser Deutung nicht zufrieden gibt, mag zu dem Buch des amerikanischen Anthropologen Brian Fagan über Die Macht des Wetters (Patmos-Verlag, Düsseldorf 2002
278 S., 22,- e) greifen. Darin beschreibt Fagan, wie die weltweite Klimamaschine seit jeher die Geschicke menschlicher Gesellschaften beeinflusst hat. Zur Frage, inwieweit der Mensch Anteil am Klimawandel hat (und damit die "Zornrute Gottes" ersetzt), sei dagegen das informative Bändchen Klima, Wetter, Mensch des Meteorologen Hans von Storch und des Soziologen Nico Stehr empfohlen (C. H. Beck, München 1999
128 S., 7,50 e). Die beiden erklären nicht nur kurz und knapp, was der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist, sondern auch, warum "Klima als soziales Konstrukt" begriffen werden kann. Im Anschluss daran empfiehlt sich die Lektüre der soeben erschienenen Studie Von der Hypothese zur Katastrophe von Peter Weingart, Anita Engels und Petra Pansegrau (Leske + Budrich, Opladen 2002
179 S., 18,- e). Darin zeichnen die Bielefelder Soziologen nach, wie hierzulande seit den siebziger Jahren der Diskurs um den anthropogenen Klimawandel zwischen Wissenschaft, Politik und Medien geführt wurde und alle Gruppen dabei versuchten, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Solchermaßen gerüstet, mag man sich dem umstrittenen Werk von Björn Lomborg: Apokalypse No! (Verlag ZuKlampen, Lüneburg 2002
560 S., 29,- e) zuwenden, das die globalen Umweltprobleme durch eine äußerst rosarote Brille betrachtet - und dann die Gegenposition, vertreten durch den Klimaforscher Hartmut Graßl in Wetterwende (Campus Verlag, Frankfurt/M.1999
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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