Widerstand der "kleinen Leute"

Jens Jessen: "Nazi-Erbe", ZEIT Nr. 31

Herr Jens Jessen schreibt: "Es verrät ein dubioses Ressentiment, allein die Industrie für etwas haftbar zu machen, von dem das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, allen voran aber der kleine Mann, profitierte." Als 1921 Geborener habe ich dazu meine Bedenken. Während des Zweiten Weltkrieges wurden über 10 000 deutsche Soldaten - lauter kleine Leute - wegen Befehlsverweigerung oder versuchter Fahnenflucht von deutschen Richtern zum Tode verurteilt und erschossen. 1950 beauftragte die SPD im Bundestag die Aufhebung dieser Urteile. Die CDU lehnte das ab. Erst 1998 wurden diese Schandurteile durch den Bundestag aufgehoben.

Diese Opfer waren genauso Widerstandskämpfer wie die Männer vom 20. Juli.

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Diese werden - mit Recht - groß geehrt. Aber wie steht es mit der Anerkennung und Ehrung der kleinen Leute - der 10 000 Soldaten, die sich weigerten, den Hitler-Wahnsinn weiter mitzumachen? Noch viele Jahre nach dem Krieg mussten es Angehörige dieser Opfer ertragen, dass ihre Söhne, Brüder oder Männer in der Öffentlichkeit als Feiglinge tituliert wurden. Feige war das Chargenpack von hohen Offizieren und Generälen, das die verbrecherischen Befehle Hitlers nach unten an den kleinen Mann weitergab, zum Beispiel den Befehl Hitlers, nur verbrannte Erde zurückzulassen, nachdem die Wehrmacht im Osten den Rückzug antreten musste.

Arnold Wilhelm Neunkirchen

 
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