Zeitgenossen

In Berlin wirbt das Art Forum mit osteuropäischer Kunst gezielt um jüngere Sammler

Das verflixte siebte Jahr muss es weisen, ob das Art Forum Berlin als die Messe allerjüngster zeitgenössischer Kunstproduktion endgültig auf festen Beinen steht (26. bis 30. September). Die Anstrengungen im Vorfeld dazu waren groß und auch von Kämpfen gezeichnet. Der Gründungsveranstalter, die European Galleries Projektgesellschaft, hat seine Anteile an die Messe Berlin verkauft, die nun als alleiniger Veranstalter zeichnet. Für die künstlerische und inhaltliche Gestaltung steht ein achtköpfiger Beirat von Galeristen ein, in dem nur noch der in Köln und Berlin ansässige Galerist Christian Nagel aus dem ursprünglichen Gremium dabei ist.

Die weiteren vier Berliner Galeristen Harry Lybke, Burkhard Riemschneider, Barbara Thumm und Thilo Wermke finden in Ciléne Andréhn aus Stockholm, in Anthony Reynolds aus London und Aidan Salakohova aus Moskau eine international operierenden Ergänzung. Das mit Großbritannien, Schweden und Russland angezeigte geografische Dreieck verweist deutlich auf die anvisierten und als expansionsfähig angesehenen Märkte. Den osteuropäischen Ländern Ungarn, Tschechien, Russland und Polen ist auch das Thema des diesjährigen Kataloges gewidmet.

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Die Veränderungen und Verjüngungen beim Art Forum zeigen sich nicht nur über die Teilnehmerstruktur: 30 Prozent der rund 150 Galerien sind Neuzugänge. Die künstlerische Leiterin Sabrina van der Ley: "Neue Galerien mit einem spannenden Programm, die mindestens zwei Jahre auf dem Markt sind, sollen hier ihren Ort finden." Die Offenheit für junge Tendenzen bei einem Festhalten an der bisherigen Teilnehmerzahl ist den Messestrategen so wichtig wie der Austausch zwischen den Galerien und die Kommunikation in das kreative Geschehen der Hauptstadt hinein.

"Nirgendwo in Europa außer in London ist die Szene so lebendig wie in Berlin", sagt Anthony Reynolds. Seit dem ersten Art Forum im Jahr 1996 stärkt er als Teilnehmer und nun als Beiratsmitglied der Veranstaltung den Rücken, auch wenn er zugibt, "bisher sehr wenig in Berlin an Berliner verkauft zu haben". Aber die Investition auf einen längeren Zeitraum hin ist ihm das Engagement wert. "Das Potenzial ist riesig, aber man muss eben Geduld haben."

Die heftigen Börsenausschläge scheinen den 52-jährigen Galeristen nicht wirklich zu beunruhigen. "Am wenigsten sind doch davon diejenigen betroffen, die sich am ernsthaftesten mit dem Sammeln von Kunst befassen", meint er lakonisch. Mitstreiter Harry Lybke von der Galerie Eigen+Art in Leipzig und Berlin, Vertreter so erfolgreicher Künstler wie Carsten und Olaf Höller, Neo Rauch und Annelies Strba, macht inzwischen schon Sammler unter 40 Jahren in Berlin aus, die jährlich mehr als 60 000 Euro ausgeben. Er findet es positiv, dass nun "die Generation ihre Messe selbst macht, die den Geist der Stadt spiegelt", was seiner Meinung nach nichts mit "Jugendwahn" zu tun hat.

Kunstherbst in Berlin

30 Prozent Neuzugänge bedeuten allerdings auch ebenso viele Abgänge. Die Hamburger Galerie Dörrie

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