E R N Ä H R U N G Hungersnöte, hausgemacht
Anhaltende Dürre zehrt viele Länder Afrikas aus. Ihre Herrscher tun alles, um die Katastrophe zu vollenden
Allein die Gebirgsenklave im Herzen Südafrikas ist noch ein vergleichsweise kleiner Problemfall. Eine Jahrhundertdürre ist über das südliche Afrika hereingebrochen, von der Atlantikküste Angolas bis hinüber in die Tiefebenen Mosambiks. Nach Hochrechnungen des UN-Welternährungsprogramms (WFP) sind insgesamt 13,5 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Allein in Simbabwe darben 6 Millionen - die Hälfte der Bevölkerung.
Wie sich Robert Mugabe die Ursachen der Tragödie zurechtlegt, weiß man schon jetzt. Der Präsident Simbabwes wird mit Pomp und Prunk zum Erdgipfel jetten und dem Rest der Welt erklären, dass an der Misere in seinem Land das Wetter schuld sei - und die Vergangenheit. Er wird vom Landraub der britischen Kolonialherren reden und von den jahrelangen Zwangsmaßnahmen der Weltbank. Und er wird die herzlose Außenwelt anklagen, die weißen Kapitalisten, denen die Not der Afrikaner gleichgültig sei.
In Wahrheit aber, und das ist der eigentliche Skandal, ist das Elend zu einem Gutteil hausgemacht: Mugabes diktatorisches Regime hat das Land zwei Jahrzehnte lang systematisch heruntergewirtschaftet und seine Ressourcen vergeudet. Nun ist es gerade dabei, durch die Enteignung und Massenvertreibung kommerzieller Großfarmer dem einst blühenden Simbabwe endgültig das ökonomische Rückgrat zu brechen. Der Agrarsektor sorgte nicht nur für stattliche Deviseneinnahmen, er sicherte auch die Grundversorgung der Bevölkerung. Die Folgen seiner mutwilligen Zerstörung sind verheerend. "Die Landwirte verlieren ihr Land, die Farmarbeiter ihre Arbeit, das Volk seine Ernährungsgrundlage." Dem Befund des britischen Staatssekretärs Peter Hain ist nichts hinzuzufügen. Aber den Despoten Mugabe stören die weltweiten Proteste nicht. Im Gegenteil: Seine Regierung setzt den Hunger als Waffe ein, indem sie den Hochburgen der Opposition gezielt Hilfslieferungen vorenthält.
In Sambia müssen drei Millionen Menschen für die verfehlte Agrarpolitik des Staates büßen. In Angola, wo eine Million Bürger betroffen sind, wird das Leid durch die Nachwehen eines 30-jährigen Bürgerkriegs verschärft. Und die korrupten Machthaber Malawis - dort hungern drei Millionen - haben im Vorjahr in weiser Vorausschau ihre gesamten Getreidereserven verscherbelt. Alles also nur ein Resultat fortgesetzten Politikversagens? Nein. Denn im Süden Afrikas, da sind sich die Experten einig, sehen wir die Vorboten einer Klimakatastrophe heraufziehen, gegen die selbst die klügsten Regierungen machtlos sind. Aber sie würden ihre Staaten besser wappnen gegen die entfesselten Naturgewalten.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT
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