Wetter Ein Faible fürs Wetten

Wer macht die beste Wettervorhersage? Und wann gibt es endlich langfristige Prognosen? Ein Gespräch mit Michael Sachweh, der die Stärken und Schwächen der Meteorologen kennt

Die Zeit: Warum können die Meteorologen Unwetter wie die der vergangenen Wochen immer noch nicht zuverlässig vorhersagen?

Michael Sachweh: Das hat verschiedene Ursachen. Wenn im Winter zum Beispiel eine atlantische Schlechtwetterfront kommt, dann sieht man die im Satellitenbild schon frühzeitig als ein lang gestrecktes, manchmal Tausende von Kilometern langes Wolkenband. Die Bewegung sommerlicher Unwetter kann man nicht so einfach verfolgen, weil sie sehr kurzfristig entstehen, oft innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Und dann schlägt das Unwetter auch noch Haken wie ein Hase auf der Flucht. In diesem Sommer hatten wir außerdem eine seltene Konstellation, nämlich Gewitter, die in eine ganz schwache Höhenluftströmung eingebettet waren. Dadurch war ihre Richtung besonders schwer vorherzusagen, und die Wolken luden ihre ganze Last über einem relativ kleinen Gebiet ab. Ich habe es in diesem Sommer mehrfach erlebt, dass hier schönster Sonnenschein war, und im Nachbarort herrschte Weltuntergangsstimmung - und umgekehrt.

Zeit: Zusammen mit dem Briten Paul James organisieren sie seit 1997 den European Weather Challenge (EWC), eine Art Stiftung Warentest für Wetterprognosen in Europa. Wie geht das vor sich?

Sachweh: Dies ist ein unabhängiger Test für die Prognosequalität der Meteorologen. Idee und praktische Durchführung liegen ganz wesentlich beim Kollegen James - Engländer haben nun mal ein Faible fürs Wetten und für das Wetter. Es nehmen Gruppen und einzelne Mitarbeiter privater Wetterfirmen teil, aber auch wetterbegeisterte Amateure. Neben dem DWD waren zeitweise auch die nationalen Wetterdienste Ungarns und der Slowakei dabei. Zehn Wochen lang muss man jeweils freitags die Tageshöchst- und die nächtlichen Tiefsttemperaturen für den folgenden Sonntag sowie die gesamte Niederschlagssumme des Wochenendes an acht ausgewählten europäischen Stationen vorhersagen.

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Zeit: Was sind die wichtigsten Ergebnisse der bisherigen Wettbewerbe?

Sachweh: Die Profis haben einen eindeutigen Vorsprung gegenüber allen Amateuren, seien sie noch so wetterbegeistert. Außerdem hat der Wettbewerb offenbart, dass automatische Prognoseverfahren in Europa bereits sehr ausgereift sind - auch wenn die Unwetterprognose noch ein Problem ist.

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  • Quelle DIE ZEIT 36/2002
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