Die Wetterberichte im Fernsehen schwanken seit Jahrzehnten zwischen Volkshochschule und Veralberung. Das Dilemma bleibt für die TV-Sender immer dasselbe: Will man dem Zuschauer meteorologische Zusammenhänge erklären? Wenn ja, mit welcher Wortwahl? Oder will der eigentlich nur wissen, ob er am nächsten Tag einen Schirm braucht oder grillen gehen kann? Verwirrt man ihn mit Isobaren, Azorenhochs und atlantischen Tiefausläufern? Und nicht zuletzt: Kann das Wetter nur von ausgebildeten Meteorologen mit Autorität erklärt werden, oder darf sich die Kompetenz auch mal auf das äußerliche Erscheinungsbild beschränken?

Sinnfreier Wetterflug

1951 malte Friedrich Krügler erstmals im deutschen Fernsehen mit Kreide Wolken und Wettersysteme an eine Schultafel. Später wurden im ZDF Pappsonnen und -wolken abgefilmt oder die Landkarten auf motorisierte Dreikantwände montiert, die der Fernsehmeteorologe per Fernbedienung weiterklacken ließ.

Und dann gab es da noch jene legendären Magnetsymbole, denen es zu verdanken war, dass der Regen hin und wieder etwas zu anschaulich fiel.

Schließlich kam das Zeitalter der Computeranimation. Die schulmeisterlichen Zeigestäbe wurden vom Bildschirm verbannt. Dafür ging mit so mancher Grafikabteilung die Kreativität durch. Schwindelerregende Schwenks drehten das europäische Festland aus der extraterrestrischen Totalen ins leicht angeschrägte Profil, um dem Zuschauer die Temperaturen in den einzelnen Höhenstufen der Atmosphäre zu illustrieren. Die ARD war besonders stolz auf ihren "Wetterflug", der das Publikum allabendlich nach den Tagesthemen mit auf die Reise nahm und vermutlich irgendetwas besonders anschaulich darstellen sollte.

Manchmal "schifft" es

Spätestens als Jörg Kachelmanns Meteomedia AG im April für den Wetterbericht nach den Tagesthemen engagiert wurde, kochte der Disput um den TV-Wetterbericht wieder hoch. Die Hüter der reinen Lehre nahmen Kachelmann immer noch übel, dass er vor rund zehn Jahren im ARD-Morgenmagazin begonnen hatte, die Prognosen zu entkrampfen. Bei ihm gab es keine "Tiefdruckrinnen" und keinen "Niederschlag", sondern einfach nur "Regen". Hin und wieder "schiffte" es sogar, und zweimal warf er sich reichlich unwissenschaftlich in den Schnee. Kachelmann ist mittlerweile älter und ruhiger geworden, dafür beanspruchen nun Mitbewerber die Autorschaft für das Wort "Blumenkohlwolken", und sogar der Deutsche Wetterdienst lässt es schon einmal "fett" regnen.