Chinas Plagen

Seit der Zusammenführung der drei Reiche vor 2200 Jahren wird China regelmäßig von zwei unausrottbaren Krankheiten heimgesucht: den unberechenbaren Fluten des Jangtse-Flusses und den ebenso unberechenbaren Folgen seiner Regierungswechsel. Doch scheint das Land derzeit beiden Herausforderungen gewachsen. Zweihundert große Flutkatastrophen innerhalb von zweitausend Jahren verzeichnen die akribisch geführten Archive des kaiserlichen Mandarinats. Gegen eine weitere wehrte sich in den vergangenen Tagen eine millionenstarke Arbeiter- und Bauernarmee mit Sandsäcken an den Ufern des Jangtse - bislang mit Erfolg. Nach ihrem fürchterlichen Missbrauch in der Kulturrevolution dient hier die maoistische Politik der Massenmobilisierung wirklich dem Volk.

Schwerere Schäden als die Fluten aber lösten in der chinesischen Geschichte ungeklärte Nachfolgeregelungen an der Staatsspitze aus. Dynastien zerbrachen, Hauptstädte versanken, auf Invasionen und Bürgerkriege folgten mit Verlässlichkeit Machtkomplotte - das letzte erlebte China im Frühjahr 1989, als der KP-Patriarch Deng Xiaoping nach Generalstreik und Studentenrevolte den seither regierenden Parteichef Jiang Zemin aus dem Hut zauberte. Umso stärker ringt Jiang heute um ein klares Vermächtnis: Er hat den Parteitag der Kommunisten auf Anfang November verschoben, auf dass nicht nur ein 17 Jahre jüngerer Nachfolger an seine Stelle trete, sondern die Partei auch Abschied nehme vom Proletariat und die Unternehmerschaft ins Zentralkomitee bestelle.

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Die Mischung aus maoistischer und kapitalistischer Medizin verspricht China mit überraschenden Heilmethoden zu therapieren. G.B.

 
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