Das Weimarer Modell
Als im Frühjahr das Deutsche Nationaltheater Weimar mit dem Theater Erfurt fusioniert werden sollte, schlugen die Wellen der Empörung hoch. Die Weimarer Kulturbürger gingen für die Eigenständigkeit ihrer traditionsreichen Bühne auf die Barrikaden, und der Intendant Stephan Märki versprach, Vorschläge für eine grundlegende Strukturreform zu erarbeiten, auf dass die jährlichen Tariferhöhungen des öffentlichen Dienstes nicht mehr die Existenzgrundlage des Theaters gefährden. Jetzt hat er sie präsentiert: Sie sehen die Gründung einer selbstständigen Theater-GmbH vor, die ein Abkoppeln von den Tariferhöhungen in Aussicht stellt. Ein Bonus- und Prämiensystem soll moderate Gehaltssteigerungen ermöglichen. Das Orchester wiederum soll als eigener Betriebsteil unter abweichenden Konditionen geführt werden. Die Musiker wollen nicht auf die Tariferhöhungen, sondern auf ihr 13.
Monatsgehalt verzichten. Ob das Konzept inkraft treten kann, hängt nun allerdings von den Geldgebern ab, der Stadt und dem Land Thüringen, die sich bis Oktober erklären müssen, ob sie dem Modell zustimmen. Dann entscheidet sich endgültig die Zukunft des Weimarer Theaters.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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