Demokratie aus dem Kanonenrohr

Amerika rüstet zum Krieg im Nahen Osten. Saddam Hussein soll stürzen, Saudi-Arabien soll sich reformieren

Nichts im Leben des amerikanischen Präsidenten bleibt dem Zufall überlassen. Nicht einmal seine Ferienlektüre. Und so beugen sich denn Washingtons Orakeldeuter in diesem Sommer über Supreme Command, das jüngste Werk von Eliot A. Cohen, Professor für Internationale Politik an der Johns-Hopkins-Universität. Cohens These: Vier herausragende Staatsmänner - Abraham Lincoln, Georges Clemenceau, Winston Churchill und David Ben Gurion - verdanken ihren Kriegsruhm der Entschiedenheit, mit der sie sich über die Bedenken ihrer Militärs hinwegsetzten.

Die Botschaft des Buches, das George W. Bush mit auf seine Ranch in Crawford, Texas, nahm: Es sind die Politiker, die den Krieg führen, nicht die Generale.

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Und diese Botschaft ist in Washington angekommen, wo der Streit von Tag zu Tag höher geht, ob die Vereinigten Staaten mit militärischer Gewalt einen "Regimewechsel" in Bagdad erzwingen sollen. Ein höchst riskantes Unterfangen, warnten Spitzenmilitärs und blickten unschuldig, als die Presse ein ums andere Mal geheime Details verschiedener Angriffspläne veröffentlichte. Ein Gebot unserer Sicherheit, erwiderte die zivile Führung des Pentagon. Wird also George W. Bush als junger Churchill das Urlaubsbuch aus der Hand legen?

Das hoffen zumindest die neokonservativen Scharfmacher in Washington. Sie sind in den vergangenen Tagen in die Defensive geraten, seit ein außenpolitisches Schwergewicht der Republikaner nach dem anderen den Präsidenten vor einem Militärschlag gegen Saddam Hussein warnte.

Besonderes Aufsehen erregte ein Artikel Brent Scowcrofts im Wall Street Journal. Unter der Überschrift "Greift Saddam nicht an!" versuchte der Sicherheitsberater von Bushs Vater die Prioritäten der amerikanischen Politik zurechtzurücken. Vorrang müsse der Krieg gegen den Terrorismus haben: "Ein Angriff auf den Irak zum jetzigen Zeitpunkt würde den weltweiten Feldzug gegen den Terrorismus ernsthaft gefährden, wenn nicht zunichte machen." Der Diktator werde versuchen, Israel in einen Krieg hineinzuziehen

er könnte die Regierung in Jerusalem durch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen sogar zum Vergeltungsschlag mit Atomwaffen provozieren - ein "Armageddon im Mittleren Osten"!

Brent Scowcroft, nüchtern, abwägend, diskret, hätte sich nicht mit einem Paukenschlag zu Wort gemeldet, sähe er nicht Gefahr im Verzug. Mit ihm erheben andere Mandarine frühererer republikanischer Regierungen ihre Stimme.

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