Der Terror in mir

Mit 15 überlebte ich den Krebs. Es folgten Jahre zwischen Furcht und Hoffnung. Jetzt ist die Angst wieder da, dass mein Leben doch zu Ende sein könnte

Der erste Gedanke war: Wo kann ich mich einschläfern lassen? Der zweite: Ich habe so viel Zeit vergeudet! Der dritte: Wie sage ich es meinem Vater?

Dann brach ich einfach zusammen, in meinem Wildledermantel, klappte auf die Knie und heulte und heulte und heulte. Mein Hausarzt hielt mir die Hand, über mich gebeugt wie ein Schutzschild oder wie der Barmherzige selbst. Doch mir war's nicht wichtig, war nichts wichtig, meine Brille rutschte von der Nase, die Tränen hinterher. Ich schluchzte einfach weiter. Mein Leben war zu Ende.

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Tumorverdacht. Aus. Vorbei.

Meine Mutter kam herein, die Lungenbilder in der Hand. Aus einem Computertomogramm, gerade am Rotkreuzplatz gemacht. Noch war sie in dem Glauben, dass ich nur zu einer Punktion in ein Krankenhaus eingeliefert werden müsste, wegen des Wassers, das da in der Lunge war. Und als sie eintrat, da klappte ich wieder auf, versuchte aufzuhören zu schluchzen, versuchte alles nicht so schlimm aussehen zu lassen, aber presste mit meiner Hand meine fettigen Haare vors Gesicht, damit sie nicht sah und ich nicht sehen musste. Den Tatsachen ins Auge.

Also noch mal die Qual. Der Hausarzt erklärt es meiner Mutter: Die überaus großen Sorgen wegen dieser Schatten am Zwerchfell, bei meiner Vorgeschichte, das Schlimmste, es tut mir sehr leid. Sie schluchzt, sie hält mich, ich weiß nicht, ob wegen ihr oder wegen mir, aber wir klammern uns aneinander, krallen uns aneinander, so wie die von Lava festgeschmolzenen Leichen aus Pompeji.

Die Vorgeschichte: Vor zehn Jahren hatte ich ein Ewing-Sarkom, einen Tumor im Becken mit Lungenmetastasen. Zehn Monate Chemotherapie, dazwischen Bestrahlung beider Bereiche. Zum Fasching ging ich als Sinead O'Connor. Die zehnte Klasse besuchte ich nie. Danach kam die Angst.

Die Sache mit der Angst ist so: Die ersten drei Jahre spürte ich sie als körperliche Schmerzen. Ich fürchtete immer wieder, Krebs zu haben.

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