"Die Deutschen"
Plötzlich sagen alle "von daher", und niemand mehr "darum" oder "deshalb". Plötzlich heißt die neue Maßeinheit "Stück", wie in "ein Stück weit" - statt einfach "so weit". Und plötzlich kennen deutsche Politiker keine Parteien, keine Bürger, keine Wähler, keine Deutschen mehr. Nur noch "Menschen", wie das meistgebrauchte Wörtchen in der Schröder/Stoiber-Debatte lautete.
Früher hatte die globale Vereinnahmung Grenzen. "Die Menschen da draußen im Lande" waren noch eine recht handliche Menge - die Leute, die nicht im Raumschiff Bonn, aber auch nicht in Temesvár oder Timbuktu, sondern allenfalls in gewissen Landstrichen von Mallorca lebten. Jetzt gelten nur noch "die Menschen", alle Lebewesen (sechs Milliarden), die keine Tiere sind.
Das ist der linguistische Wilhelminismus, möchte man wähnen, ist aber nicht so gemeint. Es ist die politisch korrekte Verbeugung unter Vermeidung von "Bürgerinnenundbürger", "Wählerinnenundwähler", die kostbare Redezeit kosten.
Warum nicht "wir"?
Warum nicht "wir"? Zu völkisch. Warum nicht "unser Volk"? Klingt erst recht so. Vielleicht können wir Deutschinnnen und Deutschen Dispens erbitten, um wieder "Bürger" und "Wähler" sagen zu dürfen. Oder wir reden nur noch geschlechtsfreies English: "We go therefrom out that the voter out there in the land ..."
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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