Die Minarette der Imagination

Gerhard Roths geheimnisvolles ägyptisches Märchen "Der Strom"

Was ihm mit dem Berg-Roman, der unter einer Lawrence-Durrell-Schminke Kontur verlor, eher misslang, ist Gerhard Roth jetzt mit Der Strom geglückt: ein akausales Märchen, geheimnisvoll, unergründlich und faszinierend. Die Fabel vom Reisebüroleiter, der in Kairo und Alexandria seine umgekommene Vorgängerin - Mord? Selbstmord? - ersetzen soll, ist dabei nicht wesentlich

nachzuerzählen in ihren Etappen zwischen Pyramiden und Kamelen ohnehin nicht.

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Man würde das kunstvolle Gespinst aus Andeutungen, Farbgebungen und Gerüchen zerstören.

Eben darin besteht das Frappante des Buches: Gerhard Roth entzieht sich dem Zwang des Erklärens, Erklärbaren. Er verweigert das simple Schema Mama-Papa-schwere-Kindheit, an dem so viele Autoren der jüngeren Generation scheitern

das ist alles so voraussehbar, so - wie das scheußliche Modewort heißt - "auf Augenhöhe" mit dem Erlebnishorizont des Lesers.

Gerhard Roths Kunst besteht darin, dass er sich aus dem Koordinatensystem von Logik und Berechenbarkeit heraushebelt. Jede Szene, jedes Bild stimmt in sich - aber nie ist das Baustein für planbar Einsichtiges. Warum sich ein Protagonist zum Staunen der arabischen Umwelt die Haare rot färben lässt

warum ein pistolentragender Mann auf einem Hausboot versteckt wird

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