Fürchtet Deutschland den Pita-Schock?
Nach den Schülern will die OECD die Lehrer prüfen. Die Bundesrepublik zeigt sich zugeknöpft
Folgen dem Pisa-Schock bald Schlagzeilen über einen Pita-Schock? Nach Pisa, dem Programme for International Students Assessment, bereitet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein weltweites Teachers Assessment vor. "Lehrer dürfen nicht mehr der blinde Fleck des Bildungssystems sein", fordert Andreas Schleicher, der bei der OECD schon die Pisa-Studie koordiniert. Die Lehrerstudie könnte noch größere Überraschungen als die Schülererhebung bereit halten, bei der Deutschland nur einen schwachen Mittelplatz belegte.
Zwanzig Länder, so Schleicher, haben ihre Teilnahme am Vergleich von Wissen, Kompetenz und Kultur der Lehrer bereits zugesagt. Die Bundesrepublik gehört nicht dazu. Dabei könnten gerade deutsche Pädagogen vom internationalen Leistungsvergleich lernen. Bildungsforscher attestieren den deutschen Schulmeistern eine bescheidene Unterrichtsqualität und eine praxisferne Ausbildung. Ihre Kollegien sind zudem überaltert, das öffentliche Ansehen des Berufs ist gesunken.
Bis die Lehrerstudie vorliegt, werden noch Jahre vergehen. Doch schon jetzt hat die OECD mit den Voruntersuchungen begonnen. Zu viele junge Leute wenden sich heute in zahlreichen Ländern vom Lehrerberuf ab. "Wie kann der Beruf professionalisiert werden", fragt Andreas Schleicher, "damit wirklich die Besten angezogen werden?" Dafür müssten zum Beispiel für Lehrer Karrieren möglich werden. Wie macht man das?
Die Studie soll zeigen, was die Nationen unternehmen, um den Lehrerberuf attraktiver und flexibler zugleich zu machen. In Schweden etwa handeln seit einigen Jahren Schulleiter Gehälter mit Lehrern frei aus. In Kanada, wo die Schülerleistungen vor Jahren miserabel waren, haben Lehrer selbst mit dem Lernen in Gruppen begonnen, das sie von den Schülern verlangen. Ihr Land schnitt bei Pisa glänzend ab.
Finnen und Norweger dampften ihre Lehrpläne so sehr ein, dass sie in schmalen, verständlich geschriebenen Heften Platz finden. In Deutschland dagegen schreiben dicke Wälzer den Unterrichtsstoff vor. "Man spricht zwar in höchsten Tönen von Professionalisierung, tatsächlich haben Lehrer in Deutschland die geringsten Spielräume", stöhnt Andreas Schleicher.
Dienst nach Vorschrift
Ist es dann ein Wunder, wenn Lehrer auf Dienst nach Vorschrift umschalten?
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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