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Warum Basketball schöner ist als Fußball
Viele Fußballfans können es überhaupt nicht fassen: Mitten unter uns, in der Fußballnation, leben Menschen, die Basketball interessanter finden als den offiziellen Volkssport - und die nicht das geringste Problem damit hätten, wenn sie nie wieder eine einzige ran-Sendung gucken dürften
die hingegen schwer leiden würden ohne ihre wöchentliche Dosis NBA.
Anhänger des Fußballsports kritisieren gern die Häufigkeit von Treffern beim Basketball. Als ob es eine gottgewollte Frequenz gäbe, in der sich der Fan über gelungene Aktionen freuen darf
als ob ein mühsames 1 : 0 irgendwie edler sei als ein schwungvolles 5 : 3 - ganz zu schweigen von einem dramatischen 117 : 116 nach der zweiten Verlängerung, wie es in der Profiliga NBA ja immer wieder vorkommt. Überhaupt, das Rhythmusgefühl: Der gedribbelte Basketball gibt den Beat vor, dazu quietschen, synkopiert, die Sohlen über das Parkett. Die rotierenden Spieler fügen sich zu einem athletischen Ballet, aus dem immer wieder diese tieforange Kugel aufsteigt, sich rückwärts um die eigene Achse drehend, um nach einer bezaubernden Elypsenbahn im roten Metallring zu versinken. Parallel zu dieser Erhabenheit wird geruppt und gerackert, was das Zeug hält. Die Vorstellung vom Basketball, als der körperlosen Geschicklichkeitsübung für Große gehört zum größten Quatsch, den man an deutschen Schulen so lernen kann. Wer Basketball für einen abgehobenen Akademikersport hält, möge sich für einen Nachmittag nach Harlem begeben. Woher stammt aber die seltsame Angst der Fußballfans davor, dass zu viel passieren könnte? Aus Sehgewohnheiten, gegen die sich kaum argumentieren lässt: Fußball ist in Deutschland auch deswegen so beliebt, weil er so beliebt ist. Unter Bedingungen des freien Wettbewerbs wie in den USAliegt Basketball im Spiel um den Zuschauerpokal mit einigen tausend Punkten vor Soccer.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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