Gute Beine schaffen das

Südlich von Berlin wurde eine 100 Kilometer lange Inline-Skate-Bahn eröffnet. Glatt wie ein Kinderpopo und garantiert fußgängerfrei. Eine Testfahrt

Nach etwa acht Kilometern richtet sich Jette auf. Sie rollt nur noch vor sich hin, ohne sich abzustoßen. Wir sind mitten im Wald, es riecht nach feuchter Erde und Kienäpfeln. Unsere Skates surren leise über den geschwungenen Asphaltweg. Jette dreht sich um, strahlt und sagt: Und das haben die nur für uns gebaut! So reagieren Inline-Skater, wenn sie das erste Mal über die Fläming-Route laufen. Drei Meter breit ist die Bahn und rund 100 Kilometer lang. Nur Skater und Radfahrer dürfen sie benutzen. Manchmal führt die Strecke an wenig befahrenen Straßen entlang, sonst quer durch den Wald, über Felder und Wiesen, die Oberfläche so glatt, wie Asphalt nur sein kann.

Hier und da kann man Fahrer sehen, die ihn staunend berühren, als wollten sie ihn streicheln. Mit der Bahn will der Landrat Peer Giesecke mehr Besucher in den südlich von Berlin gelegenen Landkreis Teltow-Fläming ziehen, der mit touristischen Großattraktionen bisher nicht gesegnet war.

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Giesecke, seine Planer und die Leute an der Strecke haben an fast alles gedacht: Als wir um neun Uhr morgens mit dem Regionalexpress aus Berlin im Landstädtchen Baruth ankommen, steht dort schon der Shuttlebus nach Petkus.

Im Skatehotel dürfen wir die Straßenschuhe bis zum Abend einlagern. Fünf Minuten später rollen wir über eine Rampe auf die Strecke.

Zunächst geht es zwei Kilometer durch frisch abgeerntete Weizenfelder. Wir atmen den Duft ein, genießen die Sonne. Ein bisschen zu sehr, denn unversehens geraten wir auf einen Abhang und werden so schnell, dass die Skates unter uns schlingern. Jette sieht das positiv: Gut, dass wir den Kurs nicht andersherum laufen. Den Hang als Anstieg zum Schluss, das will ich mir gar nicht erst vorstellen. An der Ortsgrenze von Ließen knickt die Bahn ab.

Wie bei vielen anderen Dörfern führt uns die Strecke um den Ort herum. Von den Kirchen bekommen wir deshalb selten mehr als den Turm zu sehen, von den Gehöften manchmal nur die Gemüsegärten. Nach etwa zehn Kilometern blitzt der Holbecker See durch den Wald. Tapfer widerstehen wir und rollen weiter, schließlich haben wir noch rund 80 Kilometer vor uns.

Um halb zwölf sind wir in der Nähe der Kreisstadt Luckenwalde. War uns bis jetzt kaum jemand begegnet, herrscht nun richtig Verkehr. Wir müssen hintereinander laufen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass hier schon im vergangenen Jahr ein kleiner, zwölf Kilometer langer Rundkurs fertig war. Den halten viele nun für den eigentlichen Fläming-Skate. Hier liegt auch das Gasthaus Zum Eichenkranz. Wir rollen in den Biergarten. Der Kellner bringt zwei Apfelschorlen und scheint nichts dagegen zu haben, dass wir lieber unsere Bananen essen als etwas von der Karte. Wahrscheinlich wissen sie hier, was sie an den Skatern und Radfahrern haben. Bevor die Bahn kam, wollte man schon schließen. Nun wurden sogar neue Mitarbeiter eingestellt.

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    • Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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    • Schlagworte Jan Ullrich | Reise | Bahn | Berlin | Wald
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