Heimatmelodien

Wie der Swakopmunder Männergesangsverein aus Namibia zwischen Dresden und der Hallertau Deutschland suchte, aber nicht fand

Weiße Afrikaner! Der Sohn des Hopfenforschers hat sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal weiße Afrikaner zu sehen. Um ordentlich auszuschauen, ist er deshalb, gleich nach dem Aufstehen, in seine bayerische Tracht geschlüpft, hat Lederhose und Stutzen angezogen, seinen Janker und den Filzhut mit Gamsbart. Nun steht er vor dem Hopfenforschungsinstitut bei Hüll in der Hallertau, den Vater an der Hand, die Hopfenfelder im Rücken, und erwartet den Bus, der endlich, ganz klein, zwischen den Hügeln auftaucht. Als der Bus hält und die weißen Afrikaner aussteigen, sieht der Sohn des Hopfenforschers ein bisschen verwirrt aus. Er hatte etwas anderes erwartet.

Exotische Kleidung. Wenigstens fremdartige Frisuren. Doch jetzt entsteigen dem Bus ältere Herren in beigefarbenen Blousons, in Jeans und schwarzen Halbschuhen. Für den Sohn des Hopfenforschers, fünf Jahre alt, beginnt der Besuch der weißen Afrikaner mit einer Enttäuschung.

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Vielleicht hätte sein Vater ihn vorbereiten können. Ihm erzählen sollen, dass diese Afrikaner eigentlich Deutsche sind, Nachfahren von Kolonialisten, Männer, die Deutsch sprechen und deutsch denken und zu Hause in Namibia deutsches Fernsehen schauen und nach Bayern gekommen sind, um deutsche Lieder zu singen. Dass sie sich Swakopmunder Männergesangsverein nennen und dass in ihrem Vereinswappen steht: Deutschen Sinn und Deutsche Art treu im Deutschen Lied bewahrt. Deshalb sind sie hier, deshalb steigen sie gerade aus dem Bus. Vielleicht sind sie während ihrer Reise zum 100jährigen Bestehen des Vereins auch auf der Suche nach dem, was man gemeinhin Heimat nennt. Wie sieht das moderne Deutschland aus, das fragen wir uns, sagt Rüdiger Moisel, der Chorleiter. Er schaut auf die Hopfenfelder.

Das moderne Deutschland? Der Swakopmunder Männergesangsverein will versuchen, es zu zunächst im Hopfenforschungsinstitut bei Hüll in der Hallertau zu finden. Dann in Dresden, später in Berlin, Husum, Schwanewede, Braunschweig, Siegburg. Drei Wochen werden die Männer suchen, aber schon jetzt, auf der ersten Station ihrer Reise, deutet sich an, dass sie es am Ende nicht gefunden haben werden - und vermutlich auch nicht finden wollten, weil es ihnen gar nicht um das moderne Deutschland geht. Auch nicht um Heimat.

Sondern nur um ein Gefühl davon.

Lieber eine Berglandschaft als eine Straßenschlucht

Die Reise der weißen Afrikaner beginnt an diesem Tag also mit einem Vortrag über die deutscheste Pflanze, die man sich vorstellen kann: Hopfen. Zwei Dutzend Männer und ein paar Frauen stehen im Schlamm vor einem Hopfenfeld.

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