ICH HABE EINEN TRAUM

Du kannst Gott auf der ganzen Welt treffen, aber es gibt einen Ort, an dem er lebt. Ich war da. Meine Reise nach Afrika liegt jetzt einige Zeit zurück. Und wie sehr möchte ich wieder dorthin! Aber im Moment gibt es nur einen Weg, indem ich die Augen schließe und die Zeit zurückdrehe. Dann steige ich wieder aus dem Flugzeug. Ich bin nervös, denn ich betrete den fremden Kontinent zum ersten Mal. Und doch habe ich das Gefühl, als bestünde zwischen mir und dieser Welt eine Verbindung. Ein Schwarzer mit einem Gepäckwagen nähert sich der Maschine: Willkommen zu Hause, Bruder!, ruft er. Bewegt gehe ich in die Knie und küsse den Boden: Ich bin in Afrika!

Ein Fahrer holt mich ab. Ich bin voller Anspannung, denn ich weiß nicht, was mich erwartet. In Amerika hörst du nur, dass das hier die finsterste Dritte Welt ist, ein Universum aus Hungersnot und Krankheit. Du glaubst, dass alle hier im Busch leben. Doch dann sehe ich vor mir eine ganz moderne, schöne Stadt. BMWs fahren über die Boulevards. Für einen Moment glaube ich, ich bin auf Hawaii. Die Eindrücke überwältigen mich, ich bin überrascht und schockiert zugleich.

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Aber noch mehr erstaunen mich die Frauen. Diese Vielfalt von Gesichtern, Haar- und Hautfarben! Ich kann mich an ihrer Schönheit gar nicht satt sehen.

Mein einziger Gedanke ist: Warum hat man mir nicht gesagt, dass es euch gibt?

Trotzdem liegt eine Spannung in der Luft. Jeder hier kennt die Abgründe dieser Welt, Armut und Aids. Es ist, als befände sich alles im Kriegszustand.

Das prägt das Denken dieser Menschen. Wenn sie am Morgen aufstehen, dann wissen sie genau, was sie tun. Sie sind erfüllt mit Konzentration. Sie verschwenden nicht die Zeit mit überflüssigen Dingen, sind nicht vergiftet von den negativen Einflüssen des Kapitalismus. Sie haben eine Beziehung zu anderen Menschen, nicht zu Sachen.

Da sind die Kinder in Mavalane, einem Dorf, das ich besuche. Sie waren nie in einer Schule und sprechen drei Sprachen. Wo amerikanische Kids nicht mal eine Sprache richtig beherrschen. Wenn ich mich mit ihnen unterhalte, wirkt das ganze Showgeschäft nur noch dumm und hohl. Wer denkt hier schon an Einspielergebnisse! Am Ende meines Aufenthalts sind sie richtig aufgeregt, ich werde davon angesteckt und fange an zu tanzen. Sie machen mit. Wir singen und tanzen gemeinsam, und im nächsten Moment heben sie mich hoch und tragen mich die Straße hinunter. Es ist, als schwebten wir alle auf der gleichen Wellenlänge. Ein beinahe spirituelles Erlebnis.

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