"Ich bin stolz, kein Lobbyist zu sein"

Als ehrenamtlicher Staatsrat erkundet Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther die Grenzen zwischen Wissenschaft und Politik Christiane Grefe

Wenn eine Kuh den Schwanz hebt, dann gucken Städter spontan hin. Das ist bei dem kleinen Trupp aus Lokaljournalisten und Beamten des Veterinär- und des Landwirtschaftsamts nicht anders, die sich auf dem Hofgut nahe Überlingen um den Ehrengast scharen: Konrad Beyreuther, Träger des in Deutschland einzigartigen Titels Staatsrat für Lebens- und Gesundheitsschutz. Auf schmatzendem Schlammboden lehnt der schlanke Professor am Stallgatter, im anthrazitfarbenen Anzug mit silbernen Schnallen statt Knöpfen, und hört halb fremdelnd, halb fasziniert dem Experten für Vorzugsmilcherzeugung zu: "Sie melken auch morgens und abends?"

Passt das zusammen: ein international renommierter Experte für Molekularbiologie - und ein Demeter-Bauer, der die Tierschutzqualitäten seines neuen offenen Laufstalls erklärt? Der Genforscher und Alzheimer-Spezialist mit höchsten Auszeichnungen - und schon die 15.

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symbolpolitische Landkreisbereisung, die ihn auch noch zu einem Bodenseefischer, einer Winzerei und einer Entschlackungsklinik führt? Es ist zumindest nicht die Regel, dass sich ein Forscher dieses Kalibers auf das einlässt, was viele seiner Kollegen "politische Niederungen" nennen. Doch in Baden-Württemberg passt das alles. Und erst recht im Falle des allgegenwärtig umtriebigen Konrad Beyreuther.

Das Ehrenamt des Staatsrats, der ohne Ministerium Ministerrang genießt, gibt es nur in der Stuttgarter Landesregierung. Deren Chef kann im Freistil entscheiden, ob er es überhaupt besetzen möchte und mit welcher Disziplin.

Lothar Späth holte beispielsweise den Dirigenten Wolfgang Gönnenwein als Staatsrat für Kulturfragen.

Erwin Teufel ließ seinem Kandidaten Beyreuther nicht einen Tag Zeit für die Entscheidung: Der Anruf erreichte den Chemiker und Genetiker, der vor Alzheimer den Erregern des Rinderwahnsinns auf der Spur war, auf dem Höhepunkt der BSE-Krise, im Winter 2001 bei einem Kongress. Dienstantritt: so ziemlich subito. Seither bemüht sich Konrad Beyreuther, "in den ersten Monaten Tag und Nacht", um öffentliche Aufklärung: "Die Bürger sind ja mit ihrer BSE-Angst ganz allein." Und pendelt zwischen Stuttgarter Staatskanzlei und Heidelberger Universität, an deren Zentrum für Molekularbiologie er stellvertretender Direktor ist. Und nun Forscher, Wissenschaftsmanager und Politiker zugleich. Was scheinbar kein Problem ist für einen Macher von jenem Typ, der, je mehr er macht, desto mehr machen kann.

Das Risiko, an der menschlichen Variante des Rinderwahns zu erkranken, vergleicht der (noch) parteilose CDU-Freund zwar mit der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen. Dennoch plädiert er für die rigorose Beseitigung sämtlicher Risikomaterialien im Fleisch. Nicht immer zur Freude der betroffenen Fachministerien nahm das Kabinettsmitglied ohne Ressort Einfluss auf BSE-Diagnostik und -Forschung und heftet sich mit ans Revers, "dass man das Thema in Baden-Württemberg heute ernst nimmt".

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