Im Konfettiregen
Deutsche Nachkriegsgeschichte, von den Kanzlerköpfen her erzählt: Da ist der alte Indianer Adenauer, der ewige Pfeifenraucher Helmut Schmidt, und da ist Helmut Kohl, die dicke Birne. Was sie alle an Herausforderungen zu bestehen hatten, von der Berlin-Blockade über die Nachrüstung bis zur Wiedervereinigung, das zeigt die Revue Kanzler, Krisen, Koalitionen - ein Konfettiregen aus starken Erinnerungsmomenten und historische Nachhilfe für Erstwähler aus dem Geiste des Videoclips.
Die Stärke des Vierteilers liegt im sensiblen Schnitt: Da wird keine noch so kurze Sequenz beendet, bevor nicht der Grundton einer optischen oder akustischen Kadenz erklungen ist
auch Zuschauer, die schon mehrfach gewählt haben, können hier dranbleiben, ohne Kopfschmerzen zu kriegen oder sich zu langweilen. Die Auswahl der Schwerpunkte politischer Geschichte ist nachvollziehbar, die Gewährsleute - Adenauer-Sohn Max, Loki Schmidt, Dietmar Schönherr und viele mehr - desgleichen. Hapern tut's bei nachgestellten Szenen, die Musik ist meist viel zu pathetisch, und RTL-Anchor Peter Kloeppel, der das Ganze rhetorisch zusammenhalten soll, geistert beziehungslos durch die Szenerie - man braucht ihn nicht, ein Off-Kommentar hätte genügt. So muss er seine Existenz in diesem Film durch das Abschreiten geschichtsmächtiger Schauplätze - Brandenburger Tor, Roter Platz - eigens rechtfertigen, was nicht ganz klappen will. Aber egal, als historischer Bilderbogen, der trotz harten Tempos und mancher lebensweltlichen Abschweifung prägnant erzählt, was los war, hat die Doku Klasse.
Kanzler, Krisen, Koalitionen RTL, dienstags ab 20. 8. um 22.15 Uhr in vier Folgen
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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