Konsumorden

Der moderne Käufer bekommt überall Punkte. Aber wofür?

Am Anfang war die Unsichtbare Hand, und die Unsichtbare Hand war bei Adam Smith, und Adam Smith segnete mit ihrer Hilfe die freie Marktwirtschaft. Aber dann starb Adam Smith, und die Unsichtbare Hand machte sich selbstständig.

Als Erstes schuf sie die Rabattmarke. Die Rabattmarke sollte die Treue des Kunden belohnen und auf diesem Wege die Marktkonkurrenz unterlaufen. Man sammelte die Marken, und wenn ein Heftchen voll geklebt war, gab's eins fünfzig bar auf die Kralle. Später wurden aus den Marken die noch heute geschätzten Meilen, mit deren Hilfe freie Abgeordnete zu erpressbaren Flugpassagieren werden. Inzwischen aber sind auch die Meilen nicht mehr der letzte Schrei. Das Neueste sind die so genannten Punkte. Man bekommt sie beim Einkaufen, Bahnfahren, Telefonieren oder bei Kombinationen von allen drei Konsumtätigkeiten. Manche haben schon beim häuslichen Energieverbrauch unbemerkt Punkte gemacht, für die sie dann allerdings auch nichts bekommen haben. Der Trick bei den Punkten ist nämlich, dass der Kunde sich belohnt fühlen soll, aber nicht durch Vorteile, sondern wie bei einem Orden durch Auszeichnung, die offenbar dem vorbildlichen Konsumieren gilt. Es gibt Punkte, für die man nur andere, aber mutmaßlich bessere Punkte bekommt, vergleichbar einem Konsumverdienstkreuz am Bande. Augenscheinlich hat sich Adam Smith geirrt. Der Mensch strebt nicht nach Vorteilen, sondern nach Punkten. Wo Marktwirtschaft war, ist Anerkennungswirtschaft geworden. Die Unsichtbare Hand sorgt nicht mehr für den Ausgleich der Egoismen, sondern für die Verteilung von Zensuren.

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