Kunst fürs Depot
Die Dresdner Bank bietet Großanlegern ein besonderes Investment an: Einen Kunstfond
Ankäufe im Wert von rund 350 Millionen Dollar in den nächsten drei bis vier Jahren, das käme dem internationalen Kunstmarkt derzeit sicher nicht ungelegen. Aber genau so viel will der in London neu aufgelegte Fine Art Fund tatsächlich in Altmeistergemälde, Impressionisten, klassische Moderne und auch zeitgenössische Kunst investieren. Gemanagt wird der Fonds von der Dresdner Kleinwort Capital, einer auf weltweites Investment Banking spezialisierten Tochter der Dresdner Bank Group, mit Sitz an der Themse.
Zehn Jahre Laufzeit, eine steuerlich begünstigte Mindesteinlage von 250 000 Dollar und eine angepeilte Rendite von acht bis dreizehn Prozent werden den Investoren in Aussicht gestellt. An der Spitze des Aufsichtsrates sitzt der frühere Sotheby's Chef Lord Gowrie an seiner Seite der Londoner Bankier Bruno Schröder sowie die Expertin für Handzeichnungen und Partnerin des Münchner Altmeisterhändlers Konrad O. Bernheimer, Katrin Henkel-Bellinger.
Der Modellfall eines großen, ertragreichen Investments in Kunst ist der British Rail Pension Fund, der 1974 - gegen die ansteigende Inflation in Großbritannien - zum Schutz der Pensionäre und ihrer Bezüge eingerichtet wurde. Mit dem Kauf von mehr als zweieinhalbtausend Kunstwerken im Wert von insgesamt 62 Millionen Dollar erzielte er schließlich eine Rendite von rund sechs Prozent.
Dafür hätte man den Umweg über die unkalkulierbare Kunst allerdings nicht nehmen müssen, Aktienfonds brachten in dieser Zeit die gleichen Zuwächse.
Dennoch war es ein Experiment, das Begehrlichkeiten weckte. Vom früheren Sotheby's Chef Peter Wilson wurden damals nicht nur hochpreisige Gemälde der ansonsten Spitzenpreise erzielenden Impressionisten und der Modernen angekauft, auch englisches Silber, Keramik, chinesisches Porzellan, Stammeskunst aus Ozeanien und Afrika und japanische Farbholzschnitte.
Besonders Letztere mussten mit Verlust veräußert werden, weil solche Objekte gerade wenig gefragt waren - ganz im Gegensatz zu einer 1989 bei Sotheby's für 6,71 Millionen Pfund versteigerten Ansicht der Lagunenstadt Venedig von Claude Monet.
Den Fehler eines Gemischtwarenprogramms will der Fine Art Fund jedoch nicht machen: Nach fünf Kategorien sortiert, werden Gemälde und Skulpturen angekauft. Für jede Abteilung hat man Experten als Einkäufer gewinnen können, für die alten Meister die Londoner Kunsthändler Johnny van Haeften und Charles Beddington, beide Stammgäste auf der Maastrichter Prestige-Messe Tefaf. Bei Impressionisten, klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst verlässt man sich auf die ebenfalls in London ansässigen Händler James Roundell, Ivor Braka und Thomas Dane, denen weitere Berater zur Seite stehen.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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