Metall in der (Lobby-)Krise

Minus, Minus, Minus: Wohin man auch schaut, Deutschlands Metall- und Elektroindustrie verzeichnet rote Zahlen. 5,5 Prozent Minus bei der Produktion im ersten Halbjahr, 7 Prozent Minus bei den Inlandsaufträgen, 18 000 Männer und Frauen Minus bei der Zahl der Beschäftigten, und das allein im Juni. Ein Plus gab es nur dort, wo es weh tut - mehr Kurzarbeiter, mehr Arbeitslose, höhere Löhne. Man erinnert sich: Im Frühjahr waren nach hartem Streit mit der IG Metall Lohnerhöhungen vereinbart worden, die sich auf knapp über 3,5 Prozent summieren. Zu viel, hatte die Branche schon damals geklagt.

Jetzt fühlt sie sich im Recht. Ein "Vorschuss auf den erwarteten Aufschwung" sei die Lohnanhebung gewesen, sagt Gesamtmetall-Sprecher Werner Riek - aber was erwartet wurde, ist nicht eingetreten. Während die Exporte einigermaßen florieren, zwackt es bei der Binnenkonjunktur. Höhere Lohnkosten und schlappe Nachfrage vermengten sich, so Gesamtmetall, nun zu einer trüben Mischung.

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2400 Firmen schrieben rote oder kleine schwarze Zahlen, und 200 000 der branchenweit 3,5 Millionen Jobs stünden auf dem Spiel.

Die Lösung, meint Verbandschef Martin Kannegiesser, liege in der Abweichung vom Tarifvertrag. Weniger Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Verzicht auf vereinbarte Einmalzahlungen - all das also, was schwachen Firmen auf die Beine hilft.

Das hört sich radikal an, ist es aber nicht. Längst existiert auch im Metall-Tarifvertrag eine Öffnungsklausel, die es Betrieben mit wirtschaftlichen Problemen gestattet, Löhne und Gehälter zu senken. "Etwas, an dem wir jeden Tag arbeiten", sagt IG Metall-Sprecher Claus Eilrich. An die große Glocke werden solche pragmatischen Bündnisse für Arbeit nicht gehängt - welche Firma will schon zugeben, dass sie Probleme hat, ihren Beschäftigten den Lohn zu zahlen?

Dass Kannegiesser jetzt fordert, was bereits erlaubt ist, hat weniger mit Jobs als mit Politik zu tun, mit möglichen Punktgewinnen im öffentlichen Meinungsstreit. In einem noch internen Papier hält die IG Metall schon dagegen, fordert Überstundenabbau und nennt die Drohung mit Stellenverlusten "Angstmacherei". So umschleichen sich die Kontrahenten. Betriebsräte und Unternehmenschefs tun unterdessen ihre Arbeit. ten

 
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