Guter Schuss, Robert! Daphne Bouzikou klatscht Beifall und verschränkt ihre Arme wieder vor der Brust. Klein wirkt die Frau, die da auf dem Basketballfeld steht, um sie herum groß gewachsene Männer, die auf Körbe zielen. Turnschuhquietschen und Dribbellärm, in der Luft der Mehrzweckhalle der Frankfurter Titus-Thermen hängt der Geruch von Schweiß, und im Mittelpunkt der Szenerie steht Daphne Bouzikou, ein Unikum im Profisport. Die 32-Jährige ist Assistenztrainerin beim Basketballbundesligisten Frankfurt Skyliners. Sie ist europaweit die einzige Basketballtrainerin in den höchsten Männerligen. In Deutschland ist sie sogar die einzige Frau überhaupt, die Männer im Profibereich in einer Mannschaftssportart anleitet.

Es ist aufregend, für alle Beteiligten. Sechs Worte, ein Satz, sehr nüchtern - so beginnt die Diplomsportlehrerin Bouzikou ihre Erzählung von ihrem Exotendasein in einer Welt, in der Frauen sonst eigentlich nur als Cheerleader auftreten, als sexy Pausenclowns, die ihre Hüften schwingen, bevor die Männer zum eigentlichen Geschehen aufs Feld zurückkehren. In einer Welt auch, in der der Mythos vom körperlosen Spiel nicht erst seit dem Geständnis des ehemaligen Basketball-Stars Charles Barkley beschädigt ist (Jeder, gegen den ich spiele, kassiert Schläge), in der Größe und Kraft ebenso viel zählen wie Eleganz und Geschmeidigkeit und in der der trash talk, das Beleidigen des Gegenspielers mitten im Spiel, für einige zum guten Ton gehört. Gerade in den Vereinigten Staaten ist der Sport nicht nur eine Männer-, sondern Männlichkeitssache. Die Profiliga NBA lebt gerade wegen ihrer modernen Gladiatoren und eingebildeten Egozentriker. So behauptet der Spieler Shaquille O'Neal gern von sich, er sei Zeus, Gott Nummer eins. Sein ehemaliger Kollege Dennis Rodman tat einmal kund, ein NBA-Spieler könne jede Frau haben, die er wolle. Der Basketballsport hat es mit dieser zunehmenden Betonung des Maskulinen sogar geschafft, für viele Jungen weltweit stilbildend zu werden - diese schlabbrigen Hosen, der schlurfende Gang, die unbedingte Coolness.

Daphne Bouzikou trägt an diesem Tag ein weißes Poloshirt und eine graue Trainingshose, sie könnte so auch als Handballtrainerin durchgehen. In Frankfurt ist sie, die Frau mit einer Körpergröße von 1,69 Metern, in der vierten Saison an der Arbeit. Zu ihren Aufgaben an der Seite des kanadischen Chefcoachs Gordon Herbert gehören Kraft- und Konditionstraining sowie die Videoanalyse vorangegangener Begegnungen. Und wenn Chef Herbert wieder mal seinerseits als Kotrainer der kanadischen Nationalmannschaft unterwegs ist, so wie jetzt zur Weltmeisterschaft in Indianapolis, dann hat Daphne Bouzikou auch im Training unter dem Korb das Sagen.

Es war Zufall, ein dummer Zufall sogar, dass die in Deutschland aufgewachsene Griechin Bouzikou vom Spielfeld auf die Bank wechselte: Ein Kreuzbandriss während eines College-Aufenthaltes in den USA vereitelte ihr eine aktive Karriere. Ich wollte die Zeit in Amerika irgendwie nutzen. Ich habe beim Herrentraining zugeschaut und mir Notizen gemacht. Mit 23 Jahren, sagt sie heute, sei ihr klar geworden: Ich will Basketballtrainerin werden. Bei den Männern.

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland bekam sie die erste Chance. Ein Landesligist in Pesch bei Köln suchte einen Trainer. Per Anzeige. Bouzikou bewarb sich, durfte aber gar nicht erst zum Probetraining antreten. Vier Wochen später war der neue Coach schon wieder gefeuert, jetzt bekam sie ihr Probetraining - und der Verein stellte sie ein. Drei Jahre lang arbeitete Bouzikou in Pesch, unter Bedingungen, die sie sich selbst erschwerte: Ich war sehr autoritär. Ich war dominant und unnahbar, ganz gegen meine Natur.

Bouzikou dachte, sie müsse streng sein, um sich zu schützen - vor Skepsis, vor Kritik, vor dummen Sprüchen. Als ein Spieler einmal ein englisches maybe murmelte, Bouzikou aber ein auf sie gemünztes baby verstand, da reagierte sie sofort: Strafsprints für alle. Es war die Zeit, in der sie, die fürchtete, dass man ihr diese Rolle nicht zutraute, auch jede Niederlage auf ihr persönliches Konto buchte: Ich dachte jedes Mal, jetzt werde ich gefeuert. Jedes Mal.

Heute kommt Bouzikou mit ihrer Rolle als einzige Frau in dieser Männerwelt besser zurecht. Erfahrung und Wissen hätten ihr die nötige Lockerheit verschafft, sagt sie, und auch Erfolge haben ihre Autorität wachsen lassen - nicht zuletzt vor sich selbst: Im vorigen Jahr schied ihre Mannschaft erst im Halbfinale der Play-offs um die deutsche Meisterschaft aus, Gegner war der spätere Meister Alba Berlin. Das hat ihr geholfen.