Nur der halbe Rückert
Rolf Vollmann: "Wen stört denn ein Verrückter?", ZEIT Nr. 34
Warum muss Herr Vollmann den angelsächsischen Journalismus mit dem Ausdruck fit to print bemühen, so als ob ihm das deutsche Wort "druckreif" ein fremdes Wort wäre? Wird hier mit dem englischen Begriff irgendetwas besser ausgedrückt? Und wenn schon unbedingt ein fremdsprachliches Wort, dann hätte in die Zeit von Friedrich Rückert wohl eher das französische bon à imprimer gepasst.
Es scheint ja heute im Journalismus als schick zu gelten, möglichst viele Anglizismen in einem Artikel unterzubringen, leider auch bei vielen Journalisten und Autoren in der ZEIT. Ich hielte es für besser, mehr darüber nachzudenken, ob die Benutzung eines fremdsprachlichen und durchaus auch eines Fremdwortes wirklich notwendig und sinnvoll ist, um einen Sachverhalt angemessen und verständlich auszudrücken.
Peter Linse, Brüssel
So ein langer Artikel und kein Wort von dem Buch, das ich von Rückert wirklich schätze: seine Übersetzung des Korans (Hrsg. von Bobzin, 2. Auflage, Würzburg 1996), die gerade heute sehr zu empfehlen ist. Zwar hält sie sich nicht streng an den Text, ist dafür aber umso schöner, poetischer eben, zu lesen. Sie ist auch - soweit ich weiß - die einzige deutsche Übersetzung, die versucht, das für das rhythmische Rezitieren und Auswendiglernen von Koransuren so bedeutsame Reimschema nachzuahmen. Die so gerühmte Paret-Übersetzung verhindert schon durch die unzähligen Klammern und Anmerkungen, dass man das Ganze auch schön finden könnte.
André Kahlmeyer Student der Islamwissenschaften, Heidelberg
Nicht nur einigen wenigen Mahler-Hörern ist Friedrich Rückert bekannt.
Schumann, Schubert und Franz Liszt, um nur einige zu nennen, vertonten seine Texte ebenso. Außerdem gehen Sie mit keinem Wort auf seine phänomenale Sprachbegabung ein. Er sprach Persisch, Arabisch, Sanskrit und Türkisch (ebenso war er Professor für Orientalische Sprachen in Erlangen ab 1826).
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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