Probleme mit der Familie?

Douglas Coupland kennt sich aus. Er hat über familiäre Schwierigkeiten und über zahlreiche andere Plagen Nordamerikas einen sehr hilfreichen Roman geschrieben

Cool sieht anders aus: ohne Sandalen, kein schütteres Haar, kein Bauch.

Der Mann, der einen da am Ende der Sackgasse einer meernahen Einfamilienhaus-Siedlung in Vancouver mit schlaffem Händedruck begrüßt, wirkt fraglos freundlich. Sehr höflich auch. Aber wie einer, der seit zehn Jahren als Chronist der Generation X gehandelt wird, kommt er einem nicht gerade vor.

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Niemanden schert das weniger als Douglas Coupland. Was ihn heute beschäftigt, ist die Lieferung der Kiesel für den Teich in seinem japanisch inspirierten Garten. Ein wunderschöner Garten, den der frühere Kunst- und Designstudent selbst angelegt hat

dem Besuch nennt er Mohn und Bambus beim Namen. Auch mit Tümpeln kennt er sich aus. Douglas Coupland, dem die Welt so pointierte Begriffe wie McJobs, und Jet-Set-Armut verdankt, erklärt die Funktion der Entengrütze, die grün auf der Wasseroberfläche schimmert. Danach greift er beherzt in eine Tonne voller Erdnüsse und - C'mon, folks! - spricht mit den Vögeln. Der Unwille zur Veränderung, sagt der Autor später, sei der mit Abstand größte Charakterfehler, den ein Mensch haben könne.

Als 1991 sein erster Roman Generation X erschien, war der Kanadier 29 Jahre, hatte in Vancouver, Mailand und Japan studiert, erste Erfolge als Bildhauer gehabt und einen Artikel für eine Stadtzeitschrift in Vancouver verfasst. Darin beschrieb er eine gewisse Orientierungslosigkeit nordamerikanischer Mittelklasse-Kids, die er - da die Welt noch nicht wusste, was aus ihnen einmal werden würde - Generation X nannte. Ein Begriff, der kurz darauf zum Label wurde, denn Couplands gleichnamiger Debütroman von drei Leuten in den Zwanzigern, die sich, statt urbane Karrieren zu versuchen, lieber in der Wüste Kaliforniens zusammengerückt Geschichten von kapitaler Entfremdung erzählen, wurde umgehend ein Welterfolg.

Zwölf weitere Romane und Essaysammlungen hat Coupland seitdem veröffentlicht, darunter im letzten Jahr God hates Japan, das nur auf Japanisch erschien - gedruckt und per SMS, weil Menschen leicht konsumierbare Einheiten mögen, vor allem in der U-Bahn, wie Coupland weiß. Als Spezialist für den Zusammenhang von Sein und Technik gilt er spätestens seit Erscheinen seines Romans Mikrosklaven 1995, in dem er die existenziellen Deformierungen von jungen Programmierern beschrieb. Zuvor hatte Coupland für das Magazin Wired einige Wochen bei Microsoft in Seattle recherchiert. Und sich in Vancouver den Bungalow am Meer gekauft. Seitdem wohnt der Künstler in einem lichtdurchfluteten Haus ohne Ausblick. Die breite Fensterfront zum Meer - komplett zugewachsen. Coupland ist ein großer Freund von Visionen, aber Ausblicke mag er nicht. Seinen Bungalow hingegen liebt er, weil er die klassischen Antipoden vereint: Sehen Sie dort: Natur, Grün, Ewigkeit. Jetzt hier drinnen ... - Coupland blickt auf unzählige Bildbände, eine Vasensammlung, Skulpturen, Collagen und auf seine selbst gebaute, zwei Meter hohe Replika des World Trade Center - ... ein Labor. Moderne. Wenn mein Vater vorbeikommt, fragt er jedes Mal: >Was ist all dies Zeugs?<

All Families Are Psychotic heißt Douglas Couplands jüngster Roman. In Deutschland erscheint er unter dem vorsichtigeren Titel Alle Familien sind verkorkst, doch Zurückhaltung in der Angelegenheit findet Coupland überflüssig: Alle Familien sind Schutthaufen. Wirklich. Manchmal denkt man, eine sei doch perfekt, aber irgendwann - boom! - explodiert sie, und all der Müll kommt hoch. Wenn es nicht Schizophrenie ist, ist es Drogensucht, wenn es nicht Drogen sind, sind es Geldprobleme oder zwanghaftes Händewaschen.

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