Rettung aus der Asche

Energie und Macht für uns alle: Hurra, der Wasserstoff ist da!

Am Anfang war der Wasserstoff, aus ihm entstanden die Sterne. Auf unserer ausgeglühten Erde hingegen gibt es fast kaum mehr Wasserstoff (H2), nur noch Gigatonnen seiner flüssigen Asche: Wasser (H2O). Das wird künftig gespalten, und heraus sprudelt Ökoenergie, H2! Binnen weniger Jahre soll sich der Kreislauf schließen, die Wasserstoffwirtschaft bringt Energie für alle und eine soziale Revolution. Vergesst den Treibhauseffekt! Die Kriege ums Öl!

Alle erhalten Zugang zu reichlich Strom. Friede, Freude, Wasserstoff.

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Im Retterjargon - Schlagzeile Wasser marsch - schwärmte das Feuilleton der FAZ Ende vergangener Woche, im wässrigen "Urelement allen Lebens liegt unsere Zukunft: Die Energiewirtschaft wird vom Wasserstoff gerettet." Ganzseitig öffnete sie ihre Schleusen dem Aktivisten Jeremy Rifkin für dessen jüngste Vision. Die ist seit Montag käuflich (Die H2-Revolution, Campus Verlag). Für nur 25,50 Euro. Warum beraten noch Zehntausende auf dem Erdgipfel in Johannesburg? Lest FAZ und Rifkin: wie in jedem Wasserfall "die Energie von morgen rauscht". Warum "der weiche Wasserstoff den Stein der Weisen" birgt.

Revolutionäre schert es wenig, dass sich Wasser und Wasserstoff in puncto Energiegehalt und Häufigkeit unterscheiden wie Urin und Uran. Kein Problem, H2O in H2 zu überführen. Rifkin erschließt massenhaft erneuerbare Energiequellen wie Sonnenlicht, Wind oder Wasserkraft und erzeugt so Strom im Überfluss. Damit spaltet er Wasser (Elektrolyse), und heraus sprudelt H2. Im Gegensatz zu Strom lässt sich das Gas speichern. Es wird eingespeist ins "weltweite Wasserstoffenergienetz". Das bringt uns die "große technologische, ökonomische und soziale Revolution". Jeder kann jederzeit jeden Orts H2 aus dem Netz zapfen und mit eigener Brennstoffzelle daraus Strom erzeugen.

"Millionen lokaler Kleinstkraftwerke mit Brennstoffzellen" werden "zu günstigeren Preisen mehr Energie erzeugen als die heutigen Großkraftwerke".

Wunderbar. Aktivisten und politische Führer müssen nur per Gesetz und mildem Druck dafür sorgen, dass sich Brennstoffzellen vermehren wie die Handys, dass das Wasserstoffnetz wächst wie das Internet. Dann wird die Macht umverteilt von oben nach unten, eine "Reglobalisierung" sorgt für gerechte Verteilung des Reichtums. Übrigens dürstet auch keiner mehr: Aus den famosen Brennstoffzellen tropft sauberes Trinkwasser.

Da verblassen sogar die alten Visionen vom kostenlosen Atomstrom.

 
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