Schmuddelstar

Wenn eine Australierin und zwei Franzosen Osteuropäer spielen, englisch mit slawischem Akzent kauderwelschen, in britischen Wäldern jagen, Flüsse mit ihren nackten Körpern zum Überlaufen bringen und sich als dreiste Heiratsschwindler betätigen, dann hat man es entweder mit einer fürchterlichen Peinlichkeit oder einer Parodie zu tun. Als Letztere ist Jez Butterworths Film Birthday Girl durchaus unterhaltsam. Über die Website From Russia with love bestellt sich der biedere englische Angestellte John zwecks Heirat eine junge Frau - und bekommt die temperamentvolle Nemesis des osteuropäischen Heiratsmarktes ins Haus geliefert. Schon einmal, in Gus van Sants To die for, spielte Nicole Kidman eine karrieresüchtige Frau, die für ihr Wohlergehen auch über Leichen geht. Verbarg sie die bösartigen Charaktereigenschaften damals noch hinter einem adretten Outfit, zieht sie nun völlig enthemmt das Schmuddelregister - vom ätherischen Wesen zum Weibsbild mit strähnigem Haar, das den Mann buchstäblich ans Bett fesselt.

Mit ihren angeblichen Cousins (Vincent Cassel, Mathieu Kassovitz), viel Wodka und laszivem Räkeln lockt sie in Butterworths Film das Britische aus dem Understatement und die Kohle aus der Bank. Birthday Girl ist ein fröhlicher Crash der Mentalitäten, schlagkräftige Romanze und Laufsteg für die etwas andere Kidman, die hier nicht nur viele gebrochene Herzen, sondern auch jede Menge SM-Spielzeug hinter sich lässt.

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    • Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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    • Schlagworte Nicole Kidman | Heirat | Kohle | Mentalität | Fluss | Körper | Wald
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