Schutzzone TV
Nie war Fernsehen langweiliger als heute. So sehen es nun auch die Briten, allen voran Mark Thompson, Chef des Senders Channel4. Auf dem Guardian Edinburgh Television Festival gestand Thompson, der früher Programmchef des BBC-Fernsehens war, dass ihm erst neulich aufgefallen sei, wie leblos, erwartbar und beliebig Fernsehen ist. Aus deutscher Sicht ist das zunächst nicht nachvollziehbar. Viele britische Programme sind origineller, witziger, packender als deutsche. Doch sie werden sich immer ähnlicher. Sendungen über Gärten und Sex verdrängen weniger populäre Inhalte. Uns fehlt der Mut, kreativ zu sein und Neues auszuprobieren, kritisierte Thompson seine eigene Arbeit - und erntete großen Beifall. TV-Macher und Produzenten klagen, dass sie unter dem Quotendruck zur gewöhnlichen Industrie verkommen, die gezwungen ist, immer gleiche TV-Produkte mit möglichst niedrigen Kosten und maximalem Gewinn herzustellen - als wären es Autos. Schon heute arbeiten britische Sender mit einem Minimum an Personal, unabhängige TV-Produzenten gehen reihenweise Pleite. Wir müssen das Fernsehen per Gesetz schützen, betonte Labour-Lord David Puttnam. Der Exfilmproduzent leitet den Parlamentsausschuss für die britische Medienregulierung. Er will, dass sich Medienunternehmen Pluralismus-Checks unterziehen. Sie sollen beweisen, dass ihnen inhaltliche Vielfalt wichtiger ist als Profit. Ein interessanter Vorschlag! Hat Puttnam schon Einladungen für die nächsten Mediendiskussionen in München, Köln und Mainz?
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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