Schwerer Job für Dr. Sup
Die Welthandelsorganisation bekommt einen neuen Chef - erstmals aus einem Entwicklungsland. Vom Westen verlangt er Liberalisierung
Dr. Supachai, auf den Doktor legt er großen Wert, rutschte fahrig auf seinem Stuhl hin und her. Die Brille war verschoben, der Kopf hing tief zwischen den Schultern - ganz zerstreuter Wissenschaftler. Neben ihm baute sich der massige Mike Moore auf. Moore, an jenem Julitag 2002 noch Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), brachte seine simplen, griffigen Sätze hervor: "Die Welt braucht Amerikas Führung." Oder: "Die Stimmung in der WTO ist gut."
Supachai Panitchpakdi, so der volle Name, blieb da nur zu sagen: "Ich stimme Mike voll zu." Wieder einmal hatte der Neuseeländer Moore in der Genfer WTO-Zentrale seinem Rivalen und designierten Nachfolger die Schau gestohlen.
Aber damit ist es jetzt vorbei. Von Montag an ist der aus Thailand stammende Supachai neuer Chef der WTO. Und soll als solcher die Globalisierung vorantreiben.
Liberale Ökonomen wie Jean-Pierre Lehmann von der Lausanner Business-Schule IMD sind bereits voll des Lobes für den Thai: "Supachai kennt die industrialisierte Welt und die Entwicklungsländer, er versteht die ökonomische Theorie und ist erfahrener Wirtschaftspolitiker." Tatsächlich verlief Supachais bisherige Karriere nur in eine Richtung: nach oben. 1946 geboren, machte er seinen Doktor bei Jan Tinbergen, dem ersten Nobelpreisträger für Ökonomie. Danach wurde er erst Bankdirektor, dann stellvertretender thailändischer Finanzminister, später Wirtschaftsminister und Vizepremier.
Über den Kampf zum Sieg Allerdings waren das alles leichte Aufgaben, verglichen mit den Problemen, die in seinem neuen Büro, mit Blick auf Genfer See und Mont Blanc, auf ihn warten: Wie können die Milliarden Armen dieser Welt von der Globalisierung profitieren? Wie lassen sich die Handelskonflikte zwischen den WTO-Supermächten USA und EU entschärfen? Wie kann die WTO ihr Image als Handlanger gieriger Multis abschütteln?
Und als wäre das alles noch nicht kompliziert genug, nennen Handelsdiplomaten ein weiteres Hindernis für den neuen WTO-Chef: "Die Amerikaner können noch immer nicht mit ihm." Zwar weist Washington offiziell eine Anti-Supachai-Haltung weit von sich, die Bush-Regierung "freut sich auf Dr.
Supachais Amtszeit als WTO-Generaldirektor". Aber: Die größte Wirtschaftsmacht der Erde hintertrieb lange Zeit die Nominierung des Asiaten.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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