Sekundäre Flutopfer

Die Flut hat vieles bewusst gemacht, unter anderem, wie sehr unsere Alltagssprache von der Flutmetaphorik - durchtränkt? - oder besser: durchzogen ist. Sprachlicher Takt gebietet in diesen Wochen Zurückhaltung bei wässrigen Anspielungen. Überaus taktlos wäre eine kalauernde Metaphernkollision wie: Die PDS ging in der Flut unter, obwohl ihr das Wasser bis zum Hals steht. Aber genau das ist geschehen. Die PDS ist - Metaphernzwang! - abgetaucht und, schlimmer noch, niemand hat es gemerkt, niemand hat sie vermisst. Da heißt die Tagesparole "Neubeginn mit dem Aufbau Ost", und ausgerechnet der selbst ernannten ostdeutschen Volkspartei, zuständig für ostdeutsche Interessen und Befindlichkeiten aller Art, fällt dazu nichts ein.

Die Dresdener PDS-Bundestagsabgeordnete Christine Ostrowski, deren Haus bis zum ersten Stock unter Wasser stand, ist bitter: "Ich bin abgesoffen, und die reagieren nicht." Die? Gemeint ist die Partei. "Die leben im falschen Film.

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Wem bei der Flut nichts anderes einfällt, als in einer Pressekonferenz zu verkünden, wir wählen Schröder, der lebt dicht an der Realität vorbei." Sie erklärt sich das als Folge der sektiererischen Besserwisserei im Karl-Liebknecht-Haus. Aber reicht die Erklärung aus? Schröders Formel - "Aus der deutschen Einheit wurde die Einheit der Deutschen" - drückt die Erfahrung dieser Wochen aus. Es gab und gibt eine überwältigende und ganz und gar selbstverständliche Solidarität zwischen Ost und West. Es scheint, dass die PDS, die es sich auf der Mauer in den Köpfen bequem gemacht hat, gemeinsam mit der Barriere verschwand. Niemand hätte es überhört, wenn die PDS jetzt die Solidarität in der Not, die sie immer einklagt, auch gewürdigt hätte. Sie hätte zeigen können, dass ihr das Schicksal der Menschen wichtiger ist als das ihrer Partei. Jedoch, der ehemalige Berliner Wirtschaftssenator Gysi erklärt ruppig, nun könne ja die Wirtschaft ihren Patriotismus beweisen.

Offensichtlich ärgert ihn weniger der Geiz des Kapitals als der Patriotismus der Deutschen, der nicht in die Doktrin passt.

Während die PDS unterging, blieb die FDP - schon wieder: Metaphernzwang! -

von vornherein auf dem Trockenen. In unnachahmlicher Weitsicht hatte Guido Westerwelle erkannt, dass Wahlkampf auf dem Deich völlig deplatziert sei. Ihn interessiert allein die Wahlkampftauglichkeit. Natürlich wollte niemand das Guidomobil als Einsatzfahrzeug requirieren. Aber niemand hätte es dem Politiker Westerwelle verübelt, wenn er sich eine Anschauung der Katastrophe verschafft hätte.

Die FDP blickte nicht auf den Deich, sondern auf den Kanzler, der auf dem Deich Erfolg hat. Parallel zur Flut rudert sie heraus aus der schwarz-gelben Ecke. Sie wirft nun der Union "Rumgeeiere beim Thema Steuererhöhung" vor - beeindruckend, wie Opportunisten Opportunisten "Opportunisten" schimpfen.

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