Sklaven aus Blech
Roboter verlassen die Fabriken und dringen ins private Leben vor. Bald wird man die automatischen Butler kaufen können
Alles paletti! Die Räume blitzblank vom Boden bis zur Decke, der Rasen gemäht, die Fenster geputzt. Die Küche ist sauber, Schnitzel und Bier stehen frisch auf dem Tisch. Der Kühlschrank ist voll, das traute Heim Tag und Nacht vor Unfällen und Einbrechern geschützt. Denn einer ist stets im Einsatz und behält immer die Kontrolle: James, der elektronische Roboter-Butler aus Blech und Plastik.
Die Freude kommt zu früh. Den automatischen Alleskönner für Haus, Hof und Garten gibt es vorerst nur in Ulm, Karlsruhe und Stuttgart. Und auch dort leider nicht im Elektrohandel, sondern nur in Forschungslabors. Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart-Vaihingen tüftelt die Mannschaft um Rolf Dieter Schraft am Diener vom Fließband.
Prototypen des intelligenten Pflege- und Haushaltsroboters Care-O-bot sollen bis Ende des Jahres als funktionsfähige Versuchsmuster entstehen. Grundlage der Forschung sind Erkenntnisse aus der Industrieautomation. Doch was bei rund einer Million stählernen Automaten in Fabriken und Lagerhallen, auf Flughäfen oder in Büros funktioniert, ist noch lange nicht auf private Anwendungen übertragbar. Gebrauchsanleitungen, so dick wie ein Wälzer, oder komplizierte Programmiervorgänge etwa sind beim Heimroboter nicht akzeptabel.
Die Maschine sollte auf Zuruf und zur Not auch völlig selbsttätig dienen können.
Los, geh Fenster putzen!
An der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine setzt das vom Bundesforschungsministerium unterstützte Morpha-Projekt bei Fraunhofer/IPA an. "Ein Haushaltsroboter muss auf Sprache, Gestik und Mimik von Menschen reagieren können", bekräftigt IPA-Chef Schraft, um so einfach und direkt wie möglich bedient werden zu können. Der künstliche Assistent braucht daher "umfangreiche Kommunikationskanäle". Dann ist er in der Lage, nach simplen Anweisungen zum Beispiel den Tisch zu decken, Fenster zu putzen oder nachts auf die schlafenden Kinder aufzupassen. Zudem muss ein persönlicher Roboter sich auch ohne menschliche Anweisungen auf ungewöhnliche Situationen einstellen können - sprich: lernen. Denn wenn er durch die Wohnung tappt, muss er Hindernisse wie umgekippte Stühle, abgestellte Koffer oder den faulenzenden Hund erkennen und ihnen ausweichen. Und wenn der eiserne Gehilfe nur nach entsprechender Handbewegung den Tisch putzt, dann sollte er zwar vorher das schmutzige Geschirr und den vollen Aschenbecher abräumen, aber die Vase mit den frischen Blumen lieber stehen lassen. Im Labor wird das stählerne Gerippe daher mit vielen Sensoren, Lasern, Dioden, Kameras, Lautsprechern und Mikrofonen gespickt.
Sicherheit für Menschen steht an erster Stelle. "Der Roboter darf niemanden verletzen, zum Beispiel einen Arm quetschen", sagt Christoph Schaeffer, Gruppenleiter Robotersysteme bei IPA. Das Gerät darf niemals die Treppe hinabstürzen und auf einen Menschen fallen. Dieser Punkt ist für die Fraunhofer-Forscher gerade deshalb wichtig, weil sie für ihre lernenden Kunstgebilde einen besonderen Abnehmerkreis im Auge haben, "den Markt der Bedürftigkeit", sagt Schaeffer. Die Roboterspezialisten stellen sich vor, dass ihre Morpha-Maschine namens Care-O-bot pflegebedürftigen Menschen im Haushalt zur Hand geht und Kontakt zur Außenwelt knüpfen kann. Ihr einarmiger Pfleger sollte neben einfachen Haus- und Küchenarbeiten auch Getränke holen und Tabletten reichen können (siehe Kasten). Die wachsende Zahl an Senioren und Pflegebedürftigen, so glauben die Forscher, würden der Industrie einen günstigen Einstiegsmarkt ebnen.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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