Tod am Himalaya

Beim Flugzeugabsturz in Nepal starben in der vergangenen Woche 13 deutsche Touristen. Vor vier Jahren machte unser Reporter die gleiche Reise ins Königreich Mustang. Und überlebte nur durch Zufall

Der Flughafen von Jomosom ist das, was man getrost einen absoluten Außenposten der zivilen Luftfahrt nennen kann. 600, vielleicht 700 Meter lang ist die Schotterpiste zwischen gewaltigen Felsflanken in 2750 Meter Höhe. Von der Hauptstraße des Dorfes und dem Flussbett des Kali Gandaki unterscheidet sie sich nur dadurch, dass die Steine hier ein bisschen feiner gemahlen sind, zwischen dürren Grasbüscheln ein Windsack und an einer Baracke Jomosom Airport steht. STL wird hier praktiziert, short take-off and landing, was heißt, dass die kleinen Twin-Otter-Propellermaschinen, mit denen man hier fliegt, nicht wirklich abheben, sondern sich eher über den Rand der Startbahn in die tiefste Schlucht der Erde stürzen. Im Westen reckt der Dhaulagiri seine eisigen Flanken 8167 Meter hoch, im Osten steht ihm der Annapurna mit 8091 Metern kaum nach. Bis morgens um halb elf müssen sich die Maschinen ihren Weg durch diese wie von Götterhand gezogene Riesenfurche gesucht haben, Abenteuerspielzeuge in zu groß geratenen Kulissen. Dann springt wie ein automatisches Gebläse ein Steigwind an, faucht aus dem gewaltigen Schlund hinauf und macht jeden Flugverkehr unmöglich. Wer rechtzeitig wegkommt, landet normalerweise nach 20 Minuten in Pokhara, der Drehscheibe für einen Großteil des Trekking-Tourismus in den Himalaya. Aber was heißt schon normal während des Monsuns?

Dann ist es in Jomosom zwar noch immer heiß und trocken wie in einem Umluftherd

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das Dorf und das gewaltige Hochtal hinter ihm liegen im Regenschatten des Himalaya, Niederschläge sind nahezu unmöglich. Doch weiter unten klemmen sintflutschwere Monsunwolken zwischen den Bergwänden. Wer in sie hineinfliegt, sieht so viel wie in einer Autowaschstraße - nichts außer Wasser. Der Pilot hat den Scheibenwischer eingeschaltet, vielleicht wischt er von innen mit der Hand, die freundliche Stewardess verteilt Watte gegen den Lärm der Propeller und zur Beruhigung Bonbons.

Keine Sicht in der Sintflut

So wird es gewesen sein, als in der vergangenen Woche eine Twin Otter der Gesellschaft Shangri La, was Paradies bedeutet, von Jomosom kommend, beim Landeanflug auf Pokhara an einem Berghang zerschellte und 18 Menschen, darunter 13 Deutsche, starben. So war es wohl auch, als vor fast genau vier Jahren eine Twin Otter auf dem Weg vom Jomosom nach Pokhara in 4000 Meter Höhe an einem Berghang zerschellte und 18 Menschen starben. Beinahe wäre ich darunter gewesen.

Wie die Gruppe in der vergangenen Woche hatten wir, 16 Touristen, mit der Münchner Firma Hauser Exkursionen das versunkene Königreich Mustang zwischen Nepal und Tibet erkundet. Drei Tage hatten wir schon in Jomosom festgesessen, zwei Tage länger als die Gruppe jetzt - zu viel Wind oben, zu viel Regen unten, kein Flugzeug, nirgends. Über das einzige Telefon des Dorfes orderte unsere Reiseleiterin schließlich in Kathmandu eine Maschine eigens für uns. Als endlich Flugwetter herrscht, hat diese Twin Otter jedoch Verspätung, und wundersamerweise ergattern wir plötzlich auf einem der regulären Flüge ein paar Plätze. Die für uns vorgesehene dreiköpfige Crew nimmt wenig später 15 andere Passagiere an Bord, viele Einheimische und einige Inder. Sie kommen nie in Pokhara an. Vier Tage dauert es, bis Suchmannschaften das Wrack entdecken, drei weitere bis zur Bergung der Toten.

Hätte man nicht nach der Katastrophe von 1998 die Tour zumindest während der Monsunzeit aus dem Programm nehmen müssen? Kenner des Landes warfen mir nach meinem Bericht über die Reise (ZEITmagazin Nr. 41/98) Sensationslust und Übertreibung der Gefahren vor. Die Maschine jetzt ist beim Landeanflug auf Pokhara verunglückt, nicht oben in den Bergen wie damals, sagt Manfred Häupl, Geschäftsführer von Hauser Exkursionen. Der Flughafen dort sei immerhin der zweitgrößte des Landes, habe gerade eine neue Piste und eine bessere Ausstattung im Tower bekommen. Dass die Piloten der kleinen Maschinen ihren Weg durch die schroffen grünen Berge rings um den Flughafen dennoch bei jedem Wetter mit bloßem Auge suchen müssen, sagt er nicht. Es habe an Informationen gefehlt, warum es damals zum Unglück gekommen sei.

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