Versager mit Diplom
Qualität, Karriere, Geld - dafür steht das Managementstudium zum MBA in Amerika. Eine neue Studie kratzt an diesem Mythos
Wer in diesem Jahr einen Platz für ein MBA-Studium an einer angesehenen Business School in den USA bekommen wollte, der brauchte viel Glück. Denn noch nie war der Abschluss Master of Business Administration (MBA) so begehrt. Die Bewerberzahlen stiegen auf Rekordhöhe. So meldete etwa die Graduate School of Business an der University of Chicago einen Anstieg der Bewerber um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, und das, obwohl das MBA-Studium ziemlich teuer ist. Rund 100 000 Dollar muss man für ein zweijähriges Managementstudium an einer Topschule hinblättern. Doch dafür gilt der Titel noch immer als Garant für den schnellen Aufstieg. So wurden im vergangenen Jahr immerhin 40 Prozent der hundert größten US-Unternehmen von MBAs geleitet.
In seinem Heimatland USA gilt der MBA als die Managementausbildung schlechthin
in Deutschland gewinnt er an Bedeutung, seit auch deutsche Hochschulen auf das angelsächsische Studienkonzept mit Bachelor und Masterabschluss umschwenken (ZEIT Nr. 32/02). Das MBA-Studium setzt einen ersten akademischen Abschluss voraus. Die Ausbildung ist praxisorientiert und weniger theoretisch fundiert als das deutsche Universitätsstudium. Wichtigste Lehrmethode ist oft die Fallstudie, bei der eine Situation in einem realen Unternehmen beschrieben wird und die Studenten dazu Lösungsstrategien erarbeiten müssen.
Jedes Jahr verlassen über 100 000 MBAs die amerikanischen Business Schools.
Doch bringt ihnen der Abschluss tatsächlich mehr Geld und bessere Karrierechancen? Jeffrey Pfeffer bestreitet das. Denn nachdem er die einschlägigen Studien der vergangenen 40 Jahre durchforstet hat, kommt der Professor für Organizational Behavior an der kalifornischen Stanford University zu dem Ergebnis, dass der MBA-Abschluss häufig keinen Einfluss auf das Einkommen und die Karriere hat.
So ergab die Studie einer Investmentbank, dass zwischen dem MBA und der Bezahlung keinerlei Beziehung besteht. Durch die Ausbildung sei man allenfalls ein paar Jahre älter als die Mitarbeiter ohne MBA, zitiert der Stanford-Professor den Verfasser der Studie. Zu ähnlichen Ergebnissen kam ein Wissenschaftler, der das Einkommen von MBAs der berühmten Harvard Business School mit dem von Managern ohne MBA mit ähnlich langer Berufserfahrung verglich: Die Harvard-MBAs verdienten weniger. Allerdings zeigten andere Studien einen positiven Zusammenhang von MBA und Einkommen - jedoch nur für Absolventen von Topschulen.
Pfeffer glaubt, dass dies nicht in erster Linie an der Ausbildung, sondern an der strengen Kandidatenauswahl der Topschulen liegt. Denn schließlich kommen dort bis zu 20 Bewerber auf einen Studienplatz. Für die Unternehmen sei daher allein schon die Zulassung zu einem Spitzenprogramm ein Indiz für die Qualität eines Absolventen. Bei den renommierten Business Schools müssten die Studenten zwar Kompetenz zeigen, um aufgenommen zu werden, aber nicht, um einen Abschluss zu bekommen, zitiert Pfeffer einen Kollegen, der über 30 Jahre an Business Schools gelehrt hat. Selbst an der angesehenen Wharton School scheiterten im Schnitt weniger als ein Prozent der Studenten in einem der Kurse. Selection and Placement - also strenge Auswahl und die Vermittlung attraktiver Jobs - seien daher die entscheidenden Faktoren. Die Qualität der Ausbildung sei dagegen weitgehend egal.
- Datum 29.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 36/2002
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