M E D I Z I N Im Labyrinth der Fortpflanzungsmedizin

Einblicke in einen Medizinbereich, der wie kaum ein anderer die Phantasie durch Heilsverheißungen und Horrorvisionen beflügelt und die öffentliche Meinung spaltet. Ein Auszug aus dem Buch "Wie weit gehen wir für ein Kind? Im Labyrinth der Fortpflanzungsmedizin" von Martin Spiewak, Redakteur im Ressort Wissen der ZEIT

Kinderkriegen ist zu einem Problem geworden. Jedes sechste Paar in Deutschland wartet lange Zeit vergeblich auf Nachwuchs. Zunehmend mehr Männer und Frauen versuchen ihre Hoffnung auf ein Wunschkind mit Hilfe der modernen Fortpflanzungsmedizin einzulösen. So geht die Zahl der Kinder, die im Labor gezeugt wurden, bereits in die Hunderttausende. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik, neue Methoden wie den Gencheck für Embryonen zuzulassen.

In einer Mischung aus Reportage und Faktenwissen bietet Martin Spiewak einen Überblick über den aktuellen Stand der Fortpflanzungsmedizin und die Möglichkeiten der Zukunft: Wie ergeht es Kinderlosen, die sich einer künstlicher Befruchtung unterziehen? Was versprechen sich Frauen, die für eine fremde Eizelle bis nach Spanien reisen? Welche Erfolge haben Fruchtbarkeitsmediziner 20 Jahren nach dem ersten deutschen Retortenbaby vorzuweisen? Wie wurde aus der "guten Hoffnung" einer Schwangerschaft ein neun Monate dauerndes Risiko? Wo muss die Gesellschaft dem Kinderwunsch des einzelnen Paares Grenzen setzen?

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Martin Spiewak lässt dabei jene zu Wort kommen, die in den Debatten der Öffentlichkeit wenig Gehör finden: die Betroffenen. Denn die meisten Paare tun sehr viel dafür, um ihren Kinderwunsch zu verwirklichen. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Schicksal, unter dem die Betroffenen viele Jahre lang leiden.

Auszug aus dem Buch:

Wie weit gehen wir für ein Kind?

Einleitung

Ein Donnerstagabend im Dezember, der Raum im obersten Stock eines Altbaus in einer deutschen Großstadt füllt sich schnell. Bald sind die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. Noch schnell drängt sich ein Mann im Anzug und mit Aktentasche unter dem Arm zwischen die Reihen und setzt sich neben seine Frau. "Vor Weihnachten ist der Andrang besonders groß", erklärt der Arzt später. "Da kommen die Gefühle hoch."

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