Nie verlöschendes Feuer

Ganz unauffällig ist die Geothermie zu einem der wichtigsten Lieferanten von klimaschonender Energie herangewachsen

Wer mit Icelandair von Hamburg nach New York fliegt, muss einen längeren Zwischenstopp auf Island einplanen. Für den Umweg entschädigt die Fluglinie ihre Passagiere mit einem Abstecher in eine vulkanische Einöde: Unweit des Flughafens erwartet die Reisenden die "Blaue Lagune", ein aus Abwässern eines geothermischen Kraftwerkes gespeister Badesee, den wärmeliebende Algen magisch blau schimmern lassen. Hier kann man in Thermalwasser plantschen, den schwefeligen Odem der Unterwelt inhalieren und so die Zeit bis zum Anschlussflug überbrücken. Ab und zu, wenn sich die Nebelschwaden über dem Teich lichten, sind die silbrig schimmernden Röhren und Tanks des Kraftwerkes zu sehen, das in der kühlen Stille Islands vor sich hin dampft und gelegentlich fauchende Laute aussendet.

Kraftwerke, wie das in Island, in denen Energie aus dem nie verlöschenden Feuer im Innern der Erde gewonnen wird, entstehen derzeit überall auf der Welt. Geothermische Energie wird als alternative Energiequelle der Zukunft gehandelt. Unter den erneuerbaren Energien bietet sie eines der größten Potenziale - ist quasi unerschöpflich und, im Gegensatz zu Wind und Sonne, sogar "grundlastfähig". Das heißt, geothermische Kraftwerke können das ganze Jahr hindurch zu jeder Tageszeit und unabhängig von Klima und Wetter Strom oder Wärme liefern und somit den Grundbedarf abdecken. Überdies ist Geoenergie fast an jedem Ort verfügbar, so gut wie emissionsfrei und bedarf auch keiner störenden Großbauten: eine leicht beherrschbare, umwelt- und klimaschonende Form der Energiegewinnung.

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Weltweit sind nach Angaben der Geothermischen Vereinigung derzeit in 25 Staaten mehr als 250 Erdwärmekraftwerke mit einer Gesamtleistung von acht bis neun Gigawatt in Betrieb, was einer Leistung von bis zu neun Kernkraftwerken entspricht. Dazu kommen weltweit rund 10 000 Megawatt geothermischer Wärmeerzeugung. Sie ist die zweite Möglichkeit, den unterirdischen Energieschatz zu nutzen.

Ein kleiner Teil dieser Wärme wird in Erding bei München erzeugt. Am Rande des Städtchens in der Münchner Schotterebene steht die Therme Erding, ein futuristischer Bau, der entfernt an Raumschiff Orion erinnert. Auch hier kommt das warme Wasser fürs Spaßbad direkt aus dem Bauch der Erde. Ganz so spektakulär wie in Island ist die Anlage nicht: Das direkt an die Therme angebaute geothermische Heizwerk gibt keinen Mucks von sich und riecht nur ganz dezent nach Schwefel. 1983 hatte die Ölfirma Texaco hier nach schwarzem Gold gebohrt, war aber in 2350 Metern Tiefe nur auf heißes Wasser gestoßen.

Stadt und Landkreis Erding beschlossen, ihren unterirdischen Schatz zu heben, errichteten ein Fernwärmenetz und bauten das Thermalbad am Stadtrand. 1998 ging ein Heizwerk mit einer Wärmeleistung von 18 Megawatt in Betrieb. Von den 30 000 Einwohnern heizt mittlerweile jeder sechste seine Wohnung mithilfe unterirdischer Energie. Auch das Kreiskrankenhaus, öffentliche Einrichtungen und natürlich die Therme sind an das Netz angeschlossen. "Der Betrieb läuft störungsfrei", sagt Alois Gabauer, Geschäftsleiter des Zweckverbandes für Geowärme in Erding.

In Deutschland ist in den vergangenen 20 Jahren eine beachtliche Infrastruktur zur Erdwärmegewinnung herangewachsen. Das ist vor allem dem anhaltenden Siegeszug geothermischer Wärmepumpen zu verdanken. Vor wenigen Jahren galten die komplizierten Maschinen, die auch aus oberflächennahen Erdschichten genug Wärme saugen können, um ein Haus zu beheizen, als repa-raturanfällige Stromfresser. Mittlerweile ist die Technik ausgereift.

"Auch die breite Masse der Installateure kann heute etwas mit der Wärmepumpe anfangen. Früher haben Sie da nur verständnisloses Kopfschütteln geerntet", sagt Johannes Ruhland, Inhaber eines auf Geothermie spezialisierten Ingenieurbüros nahe Erding.

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