Steht ihm nicht der Schalk ins Gesicht geschrieben, dem Alien, dessen Porträt am 15. August auf einem Weizenfeld in der Nähe von Winchester in der englischen Grafschaft Hampshire erschien? Aber alles Augenzwinkern nützte nichts, die Gemeinde der Kornkreisgläubigen ist ironieresistent. In Scharen pilgerten sie zur Farm von Bauer Mike Burge und kamen zu dem Schluss, es sei "äußerst unwahrscheinlich, dass dies eine Standardfälschung ist" - wobei mit Fälschung diejenigen Kornkunstwerke gemeint sind, die als Menschenwerk entlarvt wurden. Nun brüten die Fans der geknickten Halme über ihren Computern und versuchen, die digitale Botschaft zu entziffern, die auf der "Datenscheibe" neben dem Alien-Gesicht "verschlüsselt" ist. Schicken uns die Außerirdischen Informationen über ihr Erbgut? Oder die genaue Position ihres Heimatplaneten im All?

Ja, es gibt sie noch, die Kornkreise, die Ende der achtziger Jahre erstmals Aufsehen erregten. Noch immer ist die englische Grafschaft Wiltshire das Epizentrum der sommerlichen Erscheinungen. Und noch immer gibt es genügend "Zerealogen", die an übersinnliche Vorgänge im Kornfeld glauben - auch nach dem großen Schock, den die Kornkreisszene 1991 erfuhr. Damals behaupteten die Bauern Douglas Bower und David Chorley, in der Szene seitdem als "Doug und Dave" berüchtigt, sie seien die Urheber der phänomenalen Kreise auf britischen Feldern. Und sie zeigten auch, wie jedermann in ein bis zwei nächtlichen Stunden einen hübschen Kreis ins Getreide zaubern kann.

Doch alle Aufklärung nützt da nichts: Der Glaube an einen überirdischen Ursprung der Kornkreise ist nicht auszurotten. In diesem Sommer erhält die Gemeinde neuen Auftrieb: In dem Film Signs - Zeichen, der am Donnerstag dieser Woche startet, lüftet nämlich Mel Gibson in Gestalt des Pfarrers Graham Hess das schreckliche Geheimnis der Symbole, die über Nacht in seinem Maisfeld auftauchen - und, so viel sei verraten, natürlich geht es dabei höchst übersinnlich zu.

In der Realität dagegen wird die Kornkunst längst nicht mehr nur von Doug und Dave geschaffen. Viele Grüppchen von Kreismachern sind entstanden, von denen die meisten anonym arbeiten. Nur wenige Künstler wagen sich ans Licht der Öffentlichkeit und bekennen sich zu ihrem Tun, wenn auch nicht zu einzelnen Werken. Denn das würde das Mysterium um die Kornkreise zerstören, von dem die Landschaftskünstler zehren. Ihnen bleibt nur die heimliche Genugtuung, wenn eines ihrer Werke wieder einmal für "unzweifelhaft echt" erklärt wird.

"Unsere Arbeit ist da, um ausgebeutet zu werden", sagt der bekannte britische Kornkünstler John Lundberg. Auch sein Kollege Rod Dickinson hat sich daran gewöhnt, dass seine Kunstwerke ihm nicht im traditionellen Sinn gehören. "Sie sind das Ergebnis eines symbiotischen Prozesses zwischen Kreismachern und ,Forschern', einer Art Angebot und Nachfrage."

Alle Beteiligten profitieren von dem unausgesprochenen Deal - einschließlich des Bauern, der mit Eintrittsgeldern und Souvenirs das Mehrfache von dem einnimmt, was ihm durch den Ernteausfall entgeht. Mit der Nachfrage steigen auch die Ansprüche. In Russland mag man mit einem simplen Kreis noch Aufsehen erregen - in Wilfordshire liegt die Messlatte heute erheblich höher.

Bildnisse wie das Alien-Gesicht oder die verschachtelten fraktalen Muster, die teilweise aus Hunderten von Kreisen bestehen und ihre Schönheit nur beim Blick aus großer Höhe entfalten, erfordern generalstabsmäßige Planung und eine gute technische Ausstattung. Es gibt heute schon Kornkreismacher, die sich mit satellitengestützten GPS-Geräten im nächtlichen Feld orientieren.