Wien.

Man muss es ja nicht gleich übertreiben, aber irgendwie gebührt diesem Mann auch Dank. Jörg Haider hat Klarheit geschaffen. Er hat die Legende vom "rechtsliberalen", "libertären" oder sonst irgendwie postmodernen "Phänomen" des Rechtspopulismus demaskiert. Zwei Jahre nach der Regierungsbildung von Wien, nach den zwiespältigen Sanktionen der 14 EU-Staaten schließt sich nun der Kreis: Der Wiener Maskenball ist zu Ende, das Original kehrt unverhohlen zurück.

Seit dem Wochenendmassaker in der so genannten "Freiheitlichen" Partei Österreichs, bei dem die Vorsitzende und Vizekanzlerin der Republik, der Finanzminister und der Fraktionsvorsitzende auf der Strecke blieben - tags darauf folgte ein weiterer FPÖ-Minister -, präsentiert sich die größte regierende Rechtsaußenpartei Europas als das, was sie von Anfang an war: als nationalistische, rechtspopulistischfundamentalistische Führerbewegung mit unübersehbar extremistischen wie sektiererischen E lementen. Die kuriose "Delegiertenversammlung" vom Wochenende - kein Parteitag - war ein Paradebeispiel für Demokratie, wie Haider sie versteht. Ein von seinen Leuten eilig zusammengetrommeltes und von seinen Einpeitschern aufgeheiztes informelles Gremium veranstaltete ein Scherbengericht über die gewählte Parteiführung, die bei ihm, dem inoffiziellen Führer, in Ungnade gefallen war.

Das Parteivolk ist eins mit ihm (Motto: "Das Volk, die Partei, bin ich"). Die Parteichefin und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, bis zuletzt ihrem Schöpfer und Mentor Haider geradezu unterwürfig ergeben, wurde in Abwesenheit verhöhnt, geteert und gefedert. Wo Haider von Basis und von Demokratie spricht, hat ein Führerputsch stattgefunden, nach klassischem Muster, so gnadenlos und elitär wie eh und je in der Menschheits- und vor allem Parteiengeschichte, nur nicht so blutig wie in revolutionären oder totalitären Zeiten, als die Unterlegenen im Machtkampf nicht nur den Job, sondern auch den Kopf verloren.

Österreich, im September 2002: Die FPÖ-"Basis" räumt, wenn Haider über die Medien dazu das Signal gibt, den Weg für ihn frei, auf dass er an die Spitze der "freiheitlichen Bewegung" zurückkehren kann. Er sträubt sich, denn schließlich sei das Desaster seiner einstigen Pressesprecherin "Susi" und ihrer Getreuen "glaube ich, auch für mich eine persönliche Niederlage". Aber dieses öffentliche Mitleidheischen Haiders muss man nicht ernst nehmen.

Vielmehr sollte man, ganz im Sinn der legendären Worte des damaligen Berliner Bürgermeisters Klaus Schütz aus den Tagen der Studentenunruhen, "den Typen nur ins Gesicht sehen", die in Österreichs zweiter Regierungspartei jetzt wieder das Sagen haben, um eine Ahnung von ihrer Gesinnung und ihren Zielen zu haben: von Schmissen geprägte Gesichter, auf dem Paukboden zersäbelt.

Haider freilich, der "Feschist", wie ihn die Wiener Stadtzeitung Falter einst nannte, trägt keinen Schmiss er hat zwar Mensuren gefochten, spottet der liberale Standard, habe es aber "klug verstanden, Selbstverstümmelungsnarben zu vermeiden".