Kein Lehrer, nirgends. Tony Blair und George W. Bush auf dem grünen Rasen, zwei College-Buben mit abgelegter Krawatte, die unbedingt Krieg führen wollen. Gerhard Schröder und Edmund Stoiber im Fernsehen, zwei College-Buben mit angelegter Krawatte, die unbedingt Krieg vermeiden wollen. Aber wo sind die Erwachsenen, die den Kindern sagen, das habt ihr schön gemacht, dass ihr die Krawatte auf dem Rasen ausgezogen und im Fernsehen anbehalten habt? Wo bleibt die Verstärkung für Mut, wo der Tadel für Feigheit? Wo überhaupt auf dieser weiten Welt ist noch ein Lehrpersonal, das verwaisten Politikern eine Grenze zeigt? Bilder der Verlorenheit überall. Der Wind, wie er Tony und George durchs Haar fuhr

die Studiolampen, wie sie Gerhard und Edmund zum Glühen brachten. Examen ohne Prüfer, Mutproben ohne Schiedsrichter. So wachsen unsere Politiker heran, so altern sie, schon hat sich Edmunds Haar versilbert, und scharfe Falten durchziehen Tonys Lausbubengesicht. Das Leben ist eine harte Schule, wenn es die erste und einzige bleibt. Wie Straßenkinder, ohne Mutter, ohne Vater, irren unsere Politiker durch die Welt, sich mühsam ernährend von kleinen Kunststückchen vor einem fremden Publikum. Nur Saddam Hussein hat noch ein Kinderzimmer, wo er vor den Trümmern des Chemiebaukastens ("Der kleine Giftgasfabrikant") steht, den ihm einst ein deutscher Onkel schenkte. Fluch und Schande über die Onkel und Tanten! Sie sind in ihre Erziehungsverantwortung nicht eingetreten. Auch Margaret Thatcher hat ihren Neffen Tony nie an die Hand genommen, sie hat ihn nur gepeinigt und auf die Straße getrieben mit ihren Hasstiraden. Wen kann es wundern, dass er sich dem nächsten besten Kinderbandenchef aus Amerika anschloss, auch dieser im Stich gelassen von Vater und Familie. Erst vor den Fernsehkameras lernte George W. die Autoritätsgrimassen der Erwachsenen. Sind denn die Medien die letzte Erziehungsanstalt? Mit gutem Grund gab es, als in Deutschland noch Gymnasien existierten, die Schülermitveranwortung (SMV) und nicht etwa die Schüleralleinbestimmung (SAB). Heute dagegen erwägt man sogar die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre. Wen um Himmels willen sollen die Kinder denn wählen? Andere Kinder, die ebenfalls auf der Schule nichts mehr gelernt haben? Das einzig verbliebene Lehrmittel sind die fatalen Bastelkästen der Privatwirtschaft. "Mein erster Kriegseinsatz" ist der Renner der Saison. Aber Edmund und Gerhard haben gerade mal ihre ersten Spürpanzer zusammengebaut

wer wollte ihnen verübeln, dass sie ihn nicht mit dem nächsten Baukasten gleich wieder zerstören wollen?