Am Neuen Markt geht das Sterben weiter. Das jüngste Opfer: Die Kölner Telesens KSCL, die Abrechnungssysteme für die Telekommunikation anbietet. Am 1. September wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Drei Tage zuvor hatte es Pixelnet in Wölfen und Brain International in Breisach erwischt.

Die Millionen aus dem Börsengang - aufgebraucht, vernichtet, verspielt (siehe Tabelle). Mal ist die schlechte Auftragslage schuld, mal haben sich Vorstände auf Kosten des Unternehmens bereichert, mal Firmen sich mit den im Hype getätigten Akquisitionen übernommen. Die Folge: Nicht nur das Vertrauen der Anleger in die Technologiebörse und ihr Glauben an die Weisheit der Analysten sind erst einmal perdu - sondern auch sehr viel Geld. Immerhin 200 Milliarden Euro, so jedenfalls hat das manager magazin errechnet, haben sich inzwischen in Luft aufgelöst.

Denn vor allem Unternehmen, die in rasantem Tempo andere Firmen schluckten und tiefrote Zahlen schrieben, hatten lange die besondere Gunst der Bank- und Investmentexperten genossen, und viele Anleger waren ihnen blind gefolgt. Als "undynamisch" und "langweilig" hingegen galt, wer Erlöse aus dem Börsengang lieber hortete, um auch für schlechte Zeiten finanziell gerüstet zu sein.

Doch von solchen Unternehmen gibt es auch am Neuen Markt etliche. Und genau deren Chancen stehen gut, die gegenwärtige Konjunkturkrise zu überleben.

"Beauty-Contest" der Banken

Auch die der IDS Scheer AG in Saarbrücken. Die IT-Beratungsfirma meldete zum Halbjahr 2002 ein Umsatzplus von 14,6 Prozent auf 33,2 Millionen Euro, der Jahresüberschuss stieg gar um 36 Prozent auf 4,1 Millionen Euro. Aus Sicht der leidgeprüften Anleger fast noch wichtiger ist aber, dass IDS Scheer über eine Liquiditätsreserve von 87,1 Millionen Euro verfügt. Damit hat das Unternehmen die Mittel aus dem Börsengang - damals wurden 76,5 Millionen Euro erlöst - nicht nur behalten, sondern sogar noch aufgestockt. "Unsere Devise lautete immer, mit den Mitteln aus dem Börsengang sinnvoll und überlegt zu wirtschaften", sagt IDS-Vorstandssprecher Helmut Kruppke. "Die Firmen, die wir gekauft haben, waren ausnahmslos profitabel und tragen auch heute insgesamt zu einem positiven Ergebnis bei."

Ähnlich vorsichtig waren die beiden Brüder Frank und Jan Antwerpes, Manager und Anteilseigner der Kölner Multimedia-Agentur Antwerpes, die seit dem Börsengang lediglich vier Miniunternehmen erwarben. Die Gesellschaft schloss das Geschäftsjahr 2001 mit einem Umsatzzuwachs von 49 Prozent auf 15,4 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von 2 Millionen Euro ab. Ihr Liquiditätspolster: 29 Millionen Euro. Das ist 1 Million Euro mehr als der damalige Emissionserlös. "Während des Hypes wurden bei Firmenübernahmen ja Fantasiepreise gezahlt. Deshalb waren wir mit Akquisitionen sehr zurückhaltend", betont Finanzvorstand Jan Antwerpes.