Wer in Korea die richtigen Worte wählen will, muss erst einmal einen Blick auf die Visitenkarte seines Gegenübers werfen. Denn von dessen Position hängt es ab, welche Begriffe verwendet werden sollten. Bei höher gestellten Personen hängt man zum Beispiel als Zeichen der Achtung ein -nim an den Titel an. Wörtlich bedeutete das früher einmal Herr. Es kann aber auch für Frauen verwendet werden. Damit aber nicht genug: Wenn zum Beispiel von einer höher gestellten Person gesagt wird, dass sie etwas gegessen hat, wird eine spezielle Form für essen gewählt, die einen anderen Wortstamm als der normale Ausdruck hat. Das ganze System ist sehr ausgefeilt. Zum Glück nehmen die Koreaner es mir als Ausländer nicht übel, wenn ich solche Feinheiten nicht immer berücksichtige. Außerdem bürgert sich zunehmend das "informelle Höflichkeitsniveau" ein, mit dem man nicht so viel falsch machen kann.

Ich arbeite für die Hannover Rückversicherungs AG und habe dabei viel mit koreanischen Kunden zu tun, bin auch immer mal wieder für ein paar Wochen im Land. Deswegen habe ich beim Landesspracheninstitut Nordrhein-Westfalen in Bochum einen Grund- und einen Aufbaukurs belegt. Es geht mir gar nicht darum, eines Tages auf Koreanisch verhandeln zu können. Ich will zeigen, dass ich mich für die Sprache und Kultur interessiere. Die koreanischen Geschäftspartner sind begeistert, wenn ich sie auf Koreanisch begrüße oder zu erkennen gebe, dass ich einen Teil ihrer Unterhaltung verstehe. Sie finden es einfach gut, dass ich mich bemühe.

Das koreanische Alphabet kann man in ein, zwei Tagen lernen. Auch die Aussprache ist relativ einfach. Anders als im Chinesischen gibt es zum Beispiel keine unterschiedlichen Tonhöhen, die dann die Bedeutung der Wörter verändern. Interessanterweise sprechen die Koreanerinnen mit einer anderen Satzmelodie als die Männer - warum, weiß ich nicht.

Im Unterricht sind wir immer wieder auf Wörter gestoßen, die uns vor Rätsel stellten. Die Lehrer amüsierten sich prächtig, denn es waren Begriffe aus dem Englischen. Wir haben sie nur nicht erkannt, weil sie koreanisch ausgesprochen und entsprechend geschrieben werden. Das Koreanische kennt witzigerweise auch das deutsche Wort Arbeit. Dort bezeichnet man damit aber einen Aushilfsjob.

Weitere Informationen im Internet:

www.zeit.de/2002/38/sprachen