Mitte der neunziger Jahre wurde London unverhofft zur "Hauptstadt der Welt" gekürt. Für viele Londoner kam die Ehrung überraschend. Sie wurde von ein paar Lifestyle-Magazinen ausgesprochen und löste eine Flut von Artikeln aus: "Hip und cool" sei die Stadt, hieß es dort. Aber was hatte sich eigentlich verändert?

Tatsächlich schälte sich das Land seinerzeit aus den wirtschaftlichen Krisen der späten achtziger und frühen neunziger Jahre. Die Dotcom-Blase wuchs, und eine junge Generation machte sich daran, ein neues Kapitel in der Geschichte der Finanzmärkte zu schreiben. Wie immer, so waren auch damals steigende Immobilienpreise in London das deutlichste Anzeichen für den Aufwärtstrend.

Über Nacht wurde Notting Hill zu einem weltbekannten und bewohnenswerten Stadtteil.

Reihenhaus statt Betonburg

Wo eben noch Crack-Dealer herumlungerten und sich die Polizei mit Einwanderern aus der Karibik prügelte, aß Madonna schon bald zu Abend. Nach Vorstellungen des Londoner Bürgermeisters Ken Livingston soll der Osten der Stadt in den nächsten Jahren eine ähnliche Metamorphose erleben. Livingston, einer der wenigen Altlinken, die Blairs New-Labour-Revolution überlebten, regiert London seit drei Jahren. Jetzt hat er ein stadtplanerisches Konzept vorgelegt, das ebenso visionär wie teuer ist.

Die Strategen des Bürgermeisters gehen davon aus, dass die Londoner Bevölkerung in den nächsten 15 Jahren um 700 000 Menschen auf knapp 9 Millionen Bewohner anschwellen wird. Die brauchen vor allen Dingen Wohnraum.

Im Osten der Stadt, wo heute sozialer Wohnungsbau heikle Brennpunkte schafft, sollen bis zum Jahr 2017 über 242 000 neue Wohnungen entstehen. Triste Betonburgen aus den siebziger Jahren und Industriehalden sollen gefälligen Reihenhäusern weichen, die "von Parks umgeben sind". Dazu kommen 130 neue Schulen und Krankenhäuser.