Die Expansion der Kunst schreitet voran, die weißen Flecken schrumpfen. Am Horizont erscheint die ungefähr 1001. Biennale, aus der Taufe gehoben von Stadtmarketing und Tourismusindustrie. Ganz neu verortet in der Topografie des zeitgemäßen Kunstkolonialismus: die Vereinigten Arabischen Emirate, bis zum 17. November zu Gast im Ludwig Forum Aachen. Eines der reichsten Länder Welt, in 40 Jahren vom Wüsten- zum Wohlfahrtsstaat hochkatapultiert und mit seinen architektonischen Manifestationen in Dubai oder Abu Dhabi längst in der Postmoderne angelangt, galten die Emirate in Sachen Kunst bislang doch nur als ästhetisches Entwicklungsland. Dies kann niemanden wundern: Der Orient hat keine Tradition der bildenden Kunst. Zu den 99 "Berufen" Allahs gehörte auch der des Malers, kein Mensch darf ihm deshalb in der figürlichen Darstellung nacheifern. Doch jetzt wird das Dogma löchrig. Die eingeladenen fünf Künstlerfreunde um Hassan Sharif haben mit ihrer Kunst auch gleich den Aufbau der nötigen Galerienlandschaft eingeleitet. Und siehe da: Die Ergebnisse sind exportfähig, nur die Ansätze wirken gepachtet. Die formalen Anleihen an Westklassikern wie Duchamp und Beuys liefern das Indiz, die vielen Auslandsaufenthalte der Künstler den Beweis. Die zarte, junge Kunstszene greift zwar akute Themen ihres sozialen Hintergrunds auf - rasante Verstädterung und zunehmender Konsumismus, Verlust der eigenen kulturellen Identität und ethnische Vermischung durch einen starken Zustrom an Migranten -, doch ist und bleibt sie letztlich nur das Symptom eines Fortschrittsglaubens, der in Wahrheit wohl ein Zwang ist. Tabus überwinden und den Anschluss finden, solange das Öl noch fließt - das ist offenbar die offizielle Devise, der dem Blick auf die Devisen zugrunde liegt. Und die eine neue Oase für die Kunstkarawane generiert, bevor diese schon wieder weiterzieht.